Wie gefährlich Gewitter sind, weiß jedes kleine Kind. Jetzt haben Forscher eine neue Art von zerstörerischen Mega-Blitzen entdeckt – dort wo kürzlich ein Flugzeug der Air France ins Meer gestürzt ist. Wenn ein Baum von einem gewöhnlichen Blitz getroffen wird, kann er den Einschlag überstehen, ohne sich in Asche zu verwandeln, obwohl diese Blitze eine Stromstärke von 20.000 bis 30.000 Ampere besitzen. Die Überlebenschancen des Baumes sind deshalb so groß, weil die Hauptentladung nur etwa eine Tausendstel Sekunde dauert.

Wissenschaftler in Brasilien haben jetzt nach intensiver Forschung so genannte Turbo-Blitze entdeckt. Der Blitzforscher Osmar Pinto beschreibt sie wie folgt: „Diese Blitze haben nur eine geringe Stromstärke von 100 bis 200 Ampere. Die Entladung dauert aber bis zu einer halben Sekunde, also 500 Mal länger als bei einem normalen Blitz. In dieser Zeit fließt eine ungeheure Ladungsmenge von der Wolke zur Erde ab. Wenn so einer in einen Baum einschlägt, ist nachher nichts mehr von ihm übrig.“

Da Brasilien im Tropengürtel liegt, sind extrem starke Gewitter vor allem in der südlichen Hälfte des Landes besonders häufig. Dort befinden sich auch die Metropolen Rio de Janeiro und Sao Paolo. Die Schäden durch Blitze betragen allein in Brasilien mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr. Bis zu 120 Menschen kommen dabei ums Leben. Um die Turbo-Blitze genauer zu erforschen, benutzen die Brasilianer in den betroffenen Gebieten Hochgeschwindigkeitskameras, die bis zu 1.000 Bilder in der Sekunde produzieren können. In der Hafenstadt Porto Alegre ganz im Süden Brasiliens entladen sich besonders viele dieser Mega-Blitze.

Obwohl Flugzeugexperten einen Blitzschlag als Hauptgrund für den Absturz es Airbus A330 der Air France noch immer für sehr unwahrscheinlich halten, da ein Flugzeug im Durchschnitt nur alle drei Jahre von einem Blitz getroffen wird, finden diese neuen wissenschaftliche Erkenntnisse jetzt doch Beachtung bei der Erforschung der Ursachen des Absturzes. Sollte das Flugzeug auf seinem Flug von Brasilien nach Frankreich von einem solchen Sekundenblitz getroffen worden sein, könnte der Schaden wesentlich größer gewesen sein als bei einem normalen Blitz. Nur der Flugschreiber kann allerdings den genauen Hergang des Unglücks klären.