Argentinien verdiente am Tourismus viel Geld, seit die Regierung vor sieben Jahren den Peso stark abwertete und Gäste aus aller Welt zur Südspitze des Kontinents reisten. Doch damit ist es fürs Erste vorbei. Vor allem die Touristen aus Europa bleiben weg, da ihnen Argentinien zu teuer geworden ist, seit die Inflation die Vorteile des billigen Wechselkurses ausgelöscht hat. Auch das beste Haus am Platze, das Luxushotel Los Sauces am Ufer des Gletschersees Lago Argentino, steht in diesen Tagen leer. Nur in der Villa nebenan, das dem Präsidentenehepaar Christina und Néstor Kirchner gehört ist in letzter Zeit oft bewohnt.

Dank der vielen Touristen und der Kirchners ist aus dem verschlafenen Dorf El Calafate in Patagonien ein wohlhabendes Städtchen mit 20.000 Einwohnern geworden. Edelboutiquen und teure Restaurants gehören zum Straßenbild. Die Touristenattraktion ist hier der Perito Moreno, einer der wenigen noch wachsenden Gletscher, der zu den größten der Welt gehört und dessen Eismassen sich bis zu 60 Meter in die Höhe türmen.

Die Einheimischen interessieren sich im Moment allerdings nicht für ihre Naturschönheiten, da in Argentinien Wahlkampf herrscht. Am heutigen Sonntag wählen die Bürger neue Abgeordnete für den Nationalkongress und stimmen damit gleichzeitig über die bisherige Politik der Präsidentin Christina Kirchner ab. Laut Wirtschaftsexperten José Luis Espert spielen geschönte Statistiken eine Hauptrolle im Wahlkampf. Die Regierung gaukle den Wählern ein idyllisches Bild der wirtschaftlichen Entwicklung vor.

Ganz anderer Meinung ist dagegen der Präsidentinnengatte Néstor Kirchner. Wenn Christina die Mehrheit verliere, drohe Argentinien eine Krise wie 2001. Dann explodiere das Land. Die katastrophale Krise von 2001 haben die meisten Argentinier noch nicht vergessen. Damals brach die Wirtschaft zusammen, die Währung Argentiniens kollabierte und Hunderttausende Menschen verloren ihre Arbeit.