Tegucigalpa Nachdem Manuel Zelaya, Präsident von Honduras, gestern vom Militär verhaftet und nach Costa Rica ins Exil ausgeflogen wurde, ist es in der Hauptstadt Tegucigalpa zu Ausschreitungen gekommen. Das Auswärtige Amt rät von nicht unbedingt notwendigen Reisen in das Land ab. Die Zusammenstöße erfolgten zwischen Anhängern Zelayas und Soldaten. Zelaya wollte am Sonntag mit einem Referendum den Weg für eine neue Verfassung ebnen, die unter anderem die Wiederwahl eines honduranischen Präsidenten verankern sollte. In Honduras wird der Präsident bisher nur für eine Amtszeit gewählt. Nach dem Vorbild Venezuelas und anderer Länder Lateinamerikas wollte Zelaya künftigen Präsidenten die Wiederwahl ermöglichen. Die nächste Präsidentenwahl ist am 29. November dieses Jahres. In der Europäischen Union und den USA wurde das Vorgehen gegen den Präsidenten als Verstoß gegen „demokratische Normen und Gesetze“ stark kritisiert. Das Militär hatte offenbar mit 200 Soldaten den Amtssitz umzingelt, gestürmt und Zelaya verhaftet. Der Präsident selbst spricht von einer „Entführung“. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verurteilte auf einem Krisentreffen den „Putsch“. Solidarisch mit Präsident Zelaya und seinem Vorhaben erklärten sich die Staatschefs Castro (Kuba), Morales (Bolivien) und Chavez. Venezuelas Staatschef spricht von einem „Staatsstreich“ gegen einen Präsidenten, der „lediglich eine Volksbefragung organisieren wollte“. Doch die „Volksbefragung“ Zelayas war bereits im Vorfeld vom höchsten Gericht Honduras’ für unzulässig erklärt worden. Militärführung und die meisten Parteien im Land hatten dieses Referendum zur Verfassungsänderung als illegal betrachtet und als Machtgebaren Zelayas verurteilt. Wähler wurden gewarnt: Die Abstimmung würde nicht neutral ablaufen. Als sich die Armee weigerte, Wahllokale einzurichten, schritt der Präsident, der nicht zuletzt wegen steigender Lebensmittelpreise und der mit dem Drogenhandel in Zusammenhang stehenden großen Gewalt im Land immer weniger Zustimmung erntet, selbst zur Tat: Er ließ die Wahlunterlagen beschlagnahmen und Wahllokale einrichten. Mit der Folge, dass selbst in den eigenen Reihen die Glaubwürdigkeit der Wahl angezweifelt wurde: „Wer hat die Unterlagen verteilt, wer wird die Stimmen auszählen?“, lauteten kritische Fragen. Das Auswärtige Amt in Berlin schätzt die Lage in Honduras folgendermaßen ein (Stand: 29. Juni 2009): „Die Lage in Honduras ist bisher ruhig, mit einigen wenigen Ansammlungen. Die weitere Entwicklung ist jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vorhersehbar. In Anbetracht der unklaren und angespannten Situation sollte von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Honduras Abstand genommen werden. Bereits im Lande befindlichen Reisenden empfiehlt das Auswärtige Amt, sich umsichtig zu verhalten, insbesondere größere Menschenansammlungen zu meiden und sich über weitere Entwicklungen informiert zu halten.“ Derzeit reisen keine Gäste von uns in Honduras. Alle Interessenten werden über die aktuelle Lage informiert.