Als die sandinistischen Rebellen in Nicaragua für ihre Heimat und die Freiheit kämpften, kamen Menschen aus allen Teilen der Welt, um der einheimischen Bevölkerung ihre Solidarität zu bekunden und im Kampf gegen den von den USA unterstützen Tyrannen Somoza beizustehen. Im August 1978 stürmte der Commandante „Cero“ mit seinen Truppen den Nationalpalast in Managua.

Sie nahmen Abgeordnete gefangen, bemächtigten sich der nicaraguanischen Nationalfahne, pressten sandinistische Gefangene frei und setzten sich anschließend nach Panama ab. Dieses Husarenstück gab der Revolution starken Auftrieb. Anschießend zermürbte der Commandante an der Südfront die Elitetruppe von Somoza. Am 19. Juli 1979 zogen die sandinistischen Rebellen als Sieger im Triumphzug in Managua ein.

Eine Junta des nationalen Wiederaufbaus, die aus Kämpfern wie Ortega und Intellektuellen wie dem Literaten Sergio Ramírez bestand, bildete die neue kollektive Regierung von Nicaragua. Die neuen Machthaber im Land wollten blockfrei, undogmatisch, ökumenisch und gemischtwirtschaftlich agieren. Ernesto Cardenal wurde noch am Tag des Sieges zum ersten Kulturminister von Nicaragua ernannt und startete sofort, was er den „Alphabetisierungs-Kreuzzug“ nannte.

Edén Pastora erhielt den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers und befehligte außerdem die Volksmilizen. Sergio Ramírez stieg zum Vizepräsidenten auf. Daniel Ortega wurde Staatschef. Erntehelfer, Pädagogen, Ärzte und Studenten der Sozialwissenschaften reisten nach Nicaragua, um dem mittelamerikanischen Land beim Aufbau zu helfen. Es sollte ein besseres Kuba werden, ohne Befehlsgewalt von oben, sondern mit basisdemokratischen Strukturen.

Im Jahr 2006 wurde Daniel Ortega mit knapper Mehrheit zum Präsidenten von Nicaragua gewählt. Seinen Wahlkampf führte er mit dem Slogan „Brüderlichkeit und Versöhnung“. Inzwischen kontrolliert der Staatschef die Gerichte und das Parlament – die Kommunalwahlen des vergangenen Jahres stehen unter massiven Betrugsverdacht. Nicaragua ist heute nach Haiti das ärmste Land Lateinamerikas – der Traum von der Revolution ist verflogen. Nur noch Hugo Chávez, der Verbündete aus Venezuela, liefert Öl und Devisen nach Nicaragua.