Die Front des argentinischen Perito-Moreno-Gletschers am Lago Argentino ist etwa 60 Meter hoch. Der Eintritt in den Glaciares-Nationalpark kostet zehn Dollar. Wer in der kühlen Luft vor der Gletscherzunge steht, hört ein lautes Krachen, Röhren und Quietschen, das durch die Luft grollt. Auf einem Holzsteg gelangen die Besucher zur ersten Aussichtsplattform. Die Fahne Argentiniens weht pathetisch im Wind, die Spitzen des Gletschers sind über den Wipfeln der Bäume zu erkennen.

Von hier aus sind es nur noch ein paar Stufen in die Tiefe, die den Argentinientourist von einer der spektakulärsten Naturschauspiele Südamerikas trennen. Dann taucht er auf, der „el glaciar Perito Moreno“, der durch seine gleißende, blauweiße Eisfront beeindruckt. Der Gletscher erstreckt sich nach Westen etwa 60 Kilometer als gezackter Rücken aus Eis zum Patagonischen Inlandeis. Dieser Gletscher im Süden Argentiniens ist der einzige Gletscher außerhalb Grönlands und der Antarktis, der wächst.

Die Eismassen des argentinischen Perito-Moreno-Gletschers schieben sich jeden Tag ein bis zwei Meter nach vorne und deswegen brechen immer wieder große Stücke des Gletschers ab und stürzen tosend in den See. In der Fachsprache nennt man diesen Vorgang „kalben“. Die Ausflugsboote mit den Touristen, die über den See schippern, halten respektvollen Abstand von der Front des Gletschers. Alle zwei Jahre passiert hier das ganz große Spektakel, wenn der Eisbogen unterhalb der Aussichtsplattform in sich zusammenfällt.

Noch ist nicht erforscht, warum der Gletscher wächst, obwohl er seit 1917 von Forschern beobachtet wird. Sein Geheimnis konnte auch der argentinische Forscher Francisco Pascasio Moreno nicht lösen, dem der Gletscher seinen heutigen Namen verdankt. In früheren Zeiten war er unter dem Namen „Bismarck-Gletscher“ bekannt. Touristen besuchen das argentinische Naturwunder erst seit dreißig Jahren.