Bei aller Kritik an den politischen Vorgängen in Honduras, lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen. Dann fällt nämlich auf, dass dieser so genannte Militärputsch vom Obersten Gerichtshof und von den Abgeordneten des Nationalparlaments angeordnet wurde – und zwar mit einer Mehrheit von 124 gegen vier Stimmen, über alle Grenzen der Fraktionen hinweg. Ein weiteres Faktum, das nicht dem Bild eines Militärputsches entspricht, ist ein gegen den Ex-Präsidenten Manuel Zelaya ausgestellter Haftbefehl, der aus mehreren laufenden Gerichtsverfahren resultiert.

Alle die die politische Lage in Honduras kennen, Diplomaten, Journalisten und der Großteil der Bevölkerung sind sich darüber einig, dass es in Honduras keinen Militärputsch gegeben hat. Viele Menschen in Honduras sind der Meinung, dass das Parlament und die Justiz bei ihren Handlungen die Verfassung nicht verletzt haben. Sie führten lediglich die Befehle des Generalstaatsanwaltes und des Obersten Gerichtshofs aus. Kein General hat sich an die Spitze des Staates gesetzt – im Gegenteil, die Mehrheit der neu vereidigten Kabinettsmitglieder gehörte schon der Regierung Zelayas an. Von einer Militärjunta in Honduras kann man also nicht sprechen.

Die Absetzung des ehemaligen Präsidenten von Honduras wurde zwar vom Militär ausgeführt, jedoch in rechtmäßiger Weise auf Befehl der Justiz und des Parlaments. Überganspräsident Roberto Micheletti hat die Staatsgeschäfte übernommen, wie es in einem solchen Fall die Verfassung vorsieht. Der neue Präsident stellt die vorgesehenen Wahlen im November 2009 in keiner Weise in Frage.

Die Vizepräsidentin des Parlaments von Honduras, Mary Elizabeth Flores sagt dazu folgendes: „Die Welt soll wissen, dass CNN sie falsch informiert hat. Es tut not, dass die internationale Gemeinschaft korrekt informiert wird und erfährt, wer der wahre Verfassungsfeind ist.“ Der Präsident von Venezuela Hugo Chávez lässt keinen Zweifel an seiner Unterstützung für Zelaya aufkommen und betont Micheletti stürzen zu wollen. Seine Militärtruppen stünden in Nicaragua an der Grenze zu Honduras bereit. In einer solchen brandgefährlichen Situation kann eigentlich nur noch internationale Vermittlung helfen.