Carlos Reutemann, der ehemalige Formel 1-Fahrer, könnte der nächste Präsident von Argentinien werden. Inzwischen ist er zu einem der populärsten Politiker des südamerikanischen Landes aufgestiegen und wird von seinen Landsleuten liebevoll „Lole“ genannt. Bei den Provinzwahlen Ende Juni 2009 hat er seiner Provinz Santa Fé gesiegt. Er hat sowohl mehr Stimmen als die Sozialisten und auch mehr als das Wahlbündnis von Präsidentin Cristina Kirchner und ihrem Ehemann Néstor erhalten.
Die Karriere des Politikers Carlos Reutemann begann, als er Ende der 80iger Jahre in die peronistische Gerechtigkeitspartei PJ eintrat. Argentiniens schillernder Präsident Carlos Menem war sein Mentor. Unter dessen Korruptionsaffären hat das Ansehen von Carlos Reutemann kaum gelitten. Er weiß ganz genau, wann man Verbündete verlassen muss. In den vergangenen Monaten distanzierte er sich von den Kirchners, rechtzeitig vor deren empfindlichen Niederlage bei den Parlamentswahlen.
Seine politische Grundauffassung fasst Carlos Reutemann wie folgt zusammen: „Man ist für die Politik bereit, wenn man eine dicke Haut hat, die keine Schüsse durchlässt.“ Zweimal wurde er inzwischen zum Gouverneur in der Provinz Santa Fé gewählt – bisher hat der Politiker Reutemann noch keine Wahl verloren. Schon bei den nächsten Präsidentenwahlen im Jahr 2011 könnte die Stunde des Carlos Reutemann gekommen sein. Denn der absolutistische Stil Cristina Kirchners hat bei der Bevölkerung von Argentinien allen Glanz verloren.
Gegenüber den Medien hält sich Carlos Reutemann auffällig zurück, wenn er auf eine mögliche Kandidatur für das Präsidentenamt angesprochen wird. Er sagt, dass 2011 noch so weit weg sei und Argentinien im Moment ganz andere Probleme habe wie die Schweinegrippe, die allgemeine Unsicherheit sowie die hohe Arbeitslosigkeit. Dennoch weiß er wohl, dass sein Name im Hintergrund hoch gehandelt wird. Reutemann gilt als konservativ und wird dem rechten Flügel der Peronisten zugeordnet. Außerdem ist der Politiker cool, charmant und ideologiefrei, wodurch er vor allem zum Liebling bei den argentinischen Wählerinnen aufstieg.