Der Unabhängigkeitstag in Peru ist auch für die peruanische Sängerin Eva Ayllón immer ein Grund zum Feiern. „Doch wenn wir fern der Heimat sind, dann stimmt uns der Unabhängigkeitstag unendlich traurig“, klagt Ayllón. Zwei Tage feiert Peru die Unabhängigkeitserklärung vom 28. Juli 1821. Es werden gigantische Torten, die in den Landesfarben rot-weiß-rot gebacken wurden, verspeist. Zu den Spezialitäten, die an diesen Feiertagen auf den Tisch kommen, gehört auch marinierter Fisch, der mit der Familie und den Nachbarn genossen wird. Die Peruaner trinken und feiern dabei, bis manche von ihnen umfallen.
Die Peruaner lieben Eva Ayllón als „reyna de la música criolla“, als Königin der kreolischen Musik. Die 53 Jahre alte Künstlerin weist solche Huldigungen allerdings mit einem Lachen zu zurück. Eva Ayllón und die Sängerin Susana Baca haben die traditionelle Musik ihrer afrikanischen Vorfahren in Peru über den ganzen lateinamerikanischen Kontinent bis in die Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet. Eva Ayllón, eine große Dame im dunkler Stimme und schwarzem Haar, trat vor fast vierzig Jahren zum ersten Mal auf einer Showbühne auf und hat inzwischen über 25 Schallplatten und CDs herausgebracht.
Inzwischen kommen zu ihren Konzerten in der peruanischen Hauptstadt Lima auch bis zu 20.000 Fans – erst im November des vergangenen Jahrs sang sie in New York in der Carnegie Hall. Música Criolla, die Musik, die Ayllón verkörpert wie kaum eine Zweite, ist eine faszinierende Mischung von afrikanischen, südamerikanischen und andalusischen Klängen. Zarte Balladen zur Gitarre wechseln mit schnellen Tänzen, die von einem Trommelwirbel begleitet werden. „Im langsamen Landó haben die verschleppten Sklaven von ihrer Traurigkeit und ihren Schmerzen geklagt, mit dem Festejón haben sie Feste gefeiert“, erläutert Eva Ayllón. Wenn die Sängerin auf der Bühne steht, singt sie von Liebeslust und Liebesleid – aber auch vom weit verbreiteten Rassismus und vom Selbstbewusstsein der schwarzen Minderheit, die in Peru an den Küsten von Lima und im Norden des Landes leben.