Das ökonomische und politische Kräfteverhältnis in Südamerika verschiebt sich immer mehr in Richtung Brasilien. Der frühere Vizepräsident von Argentinien, Carlos Alvarez, sagt: „Brasilien will Weltmacht werden und fühlt sich stark genug dafür.“ Erstmals in seiner Geschichte gelingt es Brasilien eine weltweite Wirtschaftskrise nicht nur relativ unbeschadet zu überstehen, sondern sogar die Rolle eines Stabilitätsfaktors auf dem früher stets unruhigen südamerikanischen Kontinent zu spielen. Das gilt sowohl für die Wirtschaft als auch für die Politik.
Im weltweiten Vergleich kommt Brasilien und in Teilen Südamerika nach Einschätzung der Wirtschaftskommission der Uno für Lateinamerika (Cepal) eher glimpflich davon. Das Gremium geht davon aus, dass Südamerika nicht mehr als ein normales Rezessionstal durchleben wird. Diese Tatsache ist vor allem Brasilien geschuldet, dessen Wirtschaft fast 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Region erzeugt. Brasilien hat die Konjunkturwende zum Positiven hin bereits geschafft. Nach drei rezessiven Quartalen wächst die Wirtschaft wieder und zieht die Nachbarstaaten mit nach oben.
Die Cepal erwartet im Jahr 2010 für Südamerika ein Wachstum von etwa 3,5 Prozent. Der Aufschwung lässt sich auch an der Entwicklung der Währungen ablesen. Der Peso in Chile und der Real in Brasilien wurden weltweit am stärksten aufgewertet. Außerdem investieren ausländische Unternehmen heute mehr in neue Fabriken, Firmen und Produkte als in den vergangenen Jahren.
Nach Brasilien flossen im Mai 2009 soviel Investitionen wie vor 50 Jahren. In den zwölf Monaten zuvor schleusten ausländische Konzerne 42 Milliarden Dollar in die größte Wirtschaftskraft Südamerikas. Angelockt werden sie vor allem durch den rasant wachsenden Binnenmarkt in Brasilien. Zusätzlich wird das Land immer mehr als Produktionsstandort, in einem zusammenwachsenden und immer stabileren Kontinent, interessant. Vor allem Chile, Peru und Kolumbien konnten mit ihrer soliden Haushaltsführung, niedrigen Schulden und hohen Reserven an Devisen, die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise beschränken.