Venezuela hat seinen Botschafter aus Kolumbien in die Heimat zurückgeschickt. Staatschef Hugo Chávez sagte am Dienstagabend, den 28. Juli 2009, im Fernsehen, dass die bilateralen Beziehungen zu Kolumbien eingefroren seinen. Er sprach auch davon, kolumbianische Unternehmen in Venezuela zu enteignen. Chávez war empört über die Anschuldigung der kolumbianischen Regierung, Venezuela liefere Waffen an die Rebellen der marxistischen „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc).

Die kolumbianische Armee hatte angeblich Raketenwerfer und Panzerfäuste bei der Farc gefunden, die Venezuela vor Jahren in Schweden gekauft hatte. Schweden forderte darauf hin Venezuela auf, zu erklären, wie die Waffen nach Kolumbien gelangt seien. Venezuelas Verteidigungsminister sprach von einer Schmutzkampagne, mit der ein Militärpakt zwischen Kolumbien und den Vereinigten Staaten von Amerika ermöglicht werden solle.

Die Regierungen der beiden südamerikanischen Länder könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Venezuelas Präsident Hugo Chávez, den Sozialismus des 21. Jahrhunderts vorantreibt, ist Kolumbiens konservativer Staatschef Álvaro Uribe vor allen an guten Beziehungen zu den USA interessiert. Die Armee der Vereinigten Staaten will in Kolumbien Militärbasen nutzen, nachdem ihr die Erlaubnis dafür in Ecuador entzogen worden war.

Im Frühjahr des vergangen Jahres hätte der Dauerkonflikt zwischen Venezuela und Kolumbien beinahe zu einem Krieg geführt. Nach einem Angriff der kolumbianischen Armee auf ein Lager der Farc im Dschungel von Ecuador, wurde dort ein PC  beschlagnahmt, der nach kolumbianischer Darstellung Beweise lieferte, dass Chávez direkte Beziehungen zu den Aufständischen unterhält. Darauf hin stellte Chávez Militärtruppen an der Grenze zu Kolumbien auf.

Vor drei Monaten besuchte der kolumbianische Staatschef Uribe seinen Kollegen Chávez in Caracas. Die Beziehungen sind inzwischen noch schlechter geworden, seit die Farc damit drohte, kolumbianische Flugzeuge und Hubschrauber abzuschießen. Uribe bat daraufhin am Montag, den 27. Juli 2009. die Staatengemeinschaft dafür zu sorgen, dass die Aufständischen nicht an schwere Waffen kommen. Chávez wiederum gab den Befehl, kolumbianische Investitionen in Venezuela zu überprüfen. Etwa ein Drittel aller Exporte Kolumbiens geht nach Venezuela.