Berühmt geworden ist der brasilianische Designer Sérgio Rodrigues mit dem Sessel „Mole“, den er auch als Hocker konzipiert hat. Manche Kunstkritiker gehen sogar so weit, zu behaupten, seine Möbel würden so schön wie der Bossa nova schwingen. Seit kurzem sind seine Möbel, darunter der Mole-Sessel, der Rodrigues nicht nur in Brasilien, sondern auch in Deutschland, bei Classicon, erhältlich.
Rodrigues wohnt in Rio de Janeiro, im grünen Stadtviertel Botafogo, wo kleine Villen im Kolonialstil die Wohngegend prägen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erzählte der Künstler, dass er mit der Gabe geboren wurde, Schönheit zu interpretieren. Er entwerfe sein Möbel nur für sich selbst, sei sein eigener Kunde und fühle sich eher als Bildhauer denn als Designer.
Holz ist die große Leidenschaft von Sérgio Rodrigues. Er war schon als Kind davon fasziniert. Schon als Kind hatte er begriffen, dass man etwas erschaffen kann, das genauso aussieht, wie man es sich vorgestellt hat. Der Brasilianer gibt seinen Möbeln Namen, aber nicht weil jedes einen eigenen Charakter hat, sondern als Hommage an jemanden. Als Oscar Niemeyer zwei Stühle bei ihm kaufte, die noch keinen Namen hatten, nannte er sie kurzerhand Oscar.
Im Jahr 1961 gewann Sérgio Rodrigues mit seinem „Mole“ den „Concorso Internazionale del Mobile“ in Italien. Und das, obwohl er den Sessel eigentlich gar nicht hinschicken wollte. Er konkurrierte in dem Wettbewerb mit 400 Designern aus 35 Ländern mit einem Sessel, den sie in Brasilien einen Hundekorb nannten. Im Moment arbeitet der Künstler an einem Stuhl, der ein bisschen wie ein Insekt aussieht.
Die Entwicklungszeit eines Möbelstücks variiert bei Rodrigues gewaltig: „Es ist schon lustig, manchmal mache ich zwei Zeichnungen, und der Entwurf ist fertig. Andere Entwürfe brauchen Jahre, bis es genau das ist, was ich anfangs wollte.“ Der Designer hat vor, öfter von Brasilien nach Deutschland zu fliegen, da es seine Möbel jetzt auch hierzulande gibt. Vor allem München mag er sehr gerne. Dort hat ihm bei seinem letzten Besuch eigentlich alles gefallen: die Pinakothek der Moderne, die gute Organisation und das weltberühmte bayerische Bier.