Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe trat kürzlich eine Reise durch sieben Nachbarländer an, um Anhänger für seine Pläne zu gewinnen, die Präsenz der amerikanischen Armee in seinem Land auszubauen. Bei den meisten seiner Regierungskollegen stieß er auf die erwartete, mahnende Zurückweisung. Nach Venezuela reiste Uribe nicht, da er wusste, dass dies sinnlos sein würde. Dort ist Hugo Chávez, seit er von den Plänen Uribes erfahren hat, außer sich vor Zorn. Er spricht von Bedrohung durch die USA und sieht sogar einen Krieg am Horizont heraufziehen.
Der Konflikt zwischen Hugo Chávez und Álvaro Uribe symbolisiert auch die Feindschaft zweier gegensätzlicher Lager. Der kolumbianische Präsident wird als rechtskonservativ eingestuft – Kolumbien ist der letzte Brückenkopf der Vereinigten Staaten von Amerika in Südamerika. Der Präsident von Venezuela, Hugo Chávez, hat den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, entwickelt, den er so wie sein Öl in die Nachbarstaaten exportiert. Die Regierungschefs von Nicaragua, Bolivien und Ecuador unterstützen inzwischen seinen politischen Kurs.
In Honduras kam es zum Putsch, als der inzwischen gestürzte Präsident Manuel Zelaya, sich der Gruppe um Chávez anschließen wollte. Der Kolumbianer Uribe wirft Chávez und seinen Freuden vor, die Rebellen der Farc in Kolumbien zu unterstützen und ihnen Rückzugsinseln zur Verfügung zu stellen. Als die kolumbianische Armee ein solches Versteck im Nachbarland Ecuador angriff, drohte Chávez zum ersten Mal offen mit Krieg. Uribes Pakt mit den USA hat die alte Feindschaft wieder aufflackern lassen.
Zwei Dingen haben die Staatschefs von Kolumbien und Venezuela allerdings gemeinsam: sie sind demokratisch gewählt worden und zeichnen sich als militärische Denker aus. Chávez diente in der Armee als Fallschirmjäger und betrachtet die Streitkräfte als seine persönliche Kampftruppe. Auch in Uribe steckt viel kriegerische Energie – vor allem die Farc bekam dies zu spüren. Keiner seiner Vorgänger im Amt bekämpfte die Aufständischen so wirkungsvoll wie er.