Der Regisseur José Padilha aus Rio de Janeiro gewann 2003 mit seinem Dokumentarfilm „Ônibus 174“ einen Emmy. Für seinen aktuellen Film „Tropa de Elite“ wurde ihm der Goldene Bär auf der Berlinale 2008 in Berlin verliehen. Der Cop-Thriller über die Spezialeinheit BOPE und ihren Drogenkrieg in Rio führte zu kontroversen Disputen in der Öffentlichkeit von Brasilien und machte José Padilha zum umstrittensten Regisseur in seinem Heimatland.

Kritiker bezeichnen Padilha entweder als radikalen Linken oder radikalen Rechten. Er selbst sieht sich weder radikal links noch radikal rechts. Aber zwei seiner Filme handeln von einem Thema, das in Brasilien immer kontrovers diskutiert wird – die Gewalt in den Großstädten. Obwohl Rio de Janeiro weniger Probleme mit der Armut hat, als vergleichbare Städte, ist hier die Zahl der Morde, Entführungen und Überfälle wesentlich höher. José Padilha wollte in seinen Filmen „Ônibus 174“ und „Tropa de Elite“ zeigen, warum das so ist.

Sein Dokumentarfilm „Ônibus 174“ handelt davon, wie der Staat Brasilien Jugendliche, die einmal auf die schiefe Bahn gekommen sind, immer weiter demütigt und letztendlich aus kleinen Kriminellen hart gesottene Gewaltverbrecher werden. In „Tropa de Elite“ stellt Padilha die Frage, warum in Brasilien Polizisten oft korrupt und gewalttätig sind. Die Polizei wollte den Start des Films verhindern und wollte den Regisseur zwingen Szenen aus dem Film zu schneiden, in denen Polizisten töten und foltern. Die Gerichte wiesen jedoch alle Klagen ab.

Die Mitglieder der Unterschicht Brasiliens betrachten den Film „Tropa de Elite“ als kleine Rache an der Polizei. Denn viele Brasilianer leiden unter der Korruption und der Gewalt der Polizei. Die kleinen Leute können sich nicht einmal beschweren, weil es sehr riskant für sie ist, eine Beschwerde einzureichen. „Tropa de Elite“ ist der erste Film, der das ungerechte Verhalten der Polizei in Brasilien ungeschminkt zeigt. Viele Menschen aus Brasilien haben sich dafür bei José Padilha bedankt.