Im Goldmuseum von Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, lagern etwa 50.000 Schmuckstücke in den Ausstellungsvitrinen. Kein anderes Museum in der Welt zeigt so viele goldene Objekte wie das „Museo de Oro“, das sich in der Altstadt der kolumbianischen Metropole befindet. Ein Prachtstück sticht aus der Sammlung hervor, die Miniatur eines Mythos, die „Balsa de Eldorado“, das berühmte Floss von El Dorado. Gefunden wurde die goldene Kostbarkeit 1969 in einer Höhle südlich von Bogotá.
Das goldene Floss mit seinen Figuren darauf gilt als Nachbildung jenes Gefährts, mit dem die Legende von El Dorado begann. Der Sage nach ruderte das Volk der Muisca ihren Herrscher auf den See Guatavita bei Bogotá, um den Sonnengott gnädig zu stimmen. Der künftige Regent wurde für die Zeremonie mit Goldstaub überzogen, der in der Mitte des Sees abgewaschen wurde und zusammen mit Edelsteinen und anderen wertvollen Opfergaben dem Wasser übergeben wurde.
Als die spanischen Eroberer von dieser Geschichte hörten, war ihre Gier nach Gold und anderen Bodenschätzen nicht mehr zu bändigen. Sie plünderten unter anderem die Silberminen von Potosí in Bolivien. Doch nichts faszinierte die Spanier mehr als der Gedanke an ein geheimnisvolles Reich aus Gold, versteckt in ihren Kolonien: El Dorado. Unzählige Wissenschaftler und Glücksritter durchsuchten seitdem den Regenwald nach der Goldenen Stadt.
Zu den Pionieren der Schatzsucher zählten die Spanier Francisco de Orellana und Gonzálo Pizarro, die 1541, die von Quito, der Hauptstadt von Ecuador, bis zur Mündung des Amazonas vordrangen. Der bekannte Archäologe Michael Heckenberger fand am Oberlauf des Xingu Reste mehrerer Siedlungen aus der Zeit zwischen 800 und 1600 Jahren vor Christus. Laut Heckenberger hatten die Menschen, die dort lebten, einen Sinn für monumentale Ästhetik, sie liebten prächtige Plätze und Brücken. Die heutigen Forscher versuchen die sagenhaften Stadt El Dorado mit Satelliten, Radaren und Sensoren aufzuspüren – bisher ohne Erfolg.