Argentinien ist nach den Vereinigten Staaten von Amerika das Land mit den meisten Toten, die an der so genannten Schweinegrippe gestorben sind: nach offiziellen Angaben sind es bisher 337. Langsam geht die Zahl der Ansteckungen zurück, doch das südamerikanische Land erwacht nur ganz langsam aus dem Grippeschlaf, der das öffentliche Leben einen Monat lang fast zum Erliegen brachte. Die Kinder hatten Extraferien, Schwangere erhielten Sonderurlaub und auch die Universitäten machten ihre Tore dicht.
Argentinien wird seit Wochen von einer ungewöhnlichen Kältewelle geplagt. Gefühlte drei Grad waren es Ende Juli in der Hauptstadt Buenos Aires. In vielen Wohnungen gibt es keine Heizung. Erst wenn es in Deutschland der Herbst beginnt, fängt in Argentinien der Frühling an. Daniel Farias vom Hospital Posadas in Buenos Aires, warnt davor, zu glauben, höhere Temperaturen würden für einen Rückzug der Schweinegrippe sorgen. Auf der Nordhalbkugel ist gerade das Gegenteil festzustellen.
Seit dem Ausbruch der Schweinegrippe in Argentinien kennt jeder das Hospital Posadas. In den Gazetten hieß es „Krankenhaus vor dem Kollaps“, weil die Ärzte vom Ansturm der Grippekranken überrannt wurden. 3.500 Patienten mit Grippeverdacht kamen in das Krankenhaus. Davon wurden 620 stationär behandelt, 199 hatten sich mit der Schweinegrippe infiziert und 16 Menschen starben an der Krankheit.
Die argentinische Regierung reagiert spät auf die Bedrohung. Als die Weltgesundheitsbehörde am 11. Mai 2009 die Pandemiestufe sechs ausruft, fordert die Gesundheitsministerin, etwas gegen die Gefahr zu unternehmen. Doch die Präsidentin Kirchner reagiert nicht, da sie negative Auswirkungen für die Wahlen Ende Juni befürchtet. Obwohl am 15. Juli das erste Todesopfer zu beklagen ist, schließen erst am 2. Juli Schulen und Universitäten in ganz Argentinien. Vor den Wahlen spricht die Regierung von rund 1.600 Infizierten, während sie einige Tage später die Zahl auf 100.000 mögliche Ansteckungen hochschraubt. Ein Anwalt zeigt die Regierung an, weil sie mit dem Vollzug der Wahlen 25 Millionen Argentinier in Ansteckungsgefahr gebracht habe.