Auf der Bundesstraße BR 163 in Brasilien transportiert ein LKW nach dem anderen aus dem Norden, Baumwolle, Soja, Rindfleisch und Schweinhälften in Richtung Cuiabá und dann weiter Richtung Meer, von wo die Waren nach Europa und China verschifft werden. Die BR 163 führt 1.770 Kilometer von Nord nach Süd, mitten durch den Regenwald von Amazonas. Etwas weniger als die Hälfte der Strecke ist geteert, der Rest eine staubige Piste, die in der Regenzeit nicht mehr befahrbar ist.
Für Unternehmer wie Otaviano Pivetta, den Großgrundbesitzer mit 230.000 Hektar Land ist die BR 163 die Achse der Expansion, der Soja-Highway, die Straße zum Erfolg, hinauf zum Amazonas-Hafen von Santarém. Für Naturschützer ist die Straße dagegen der direkte Weg in die Ökokatastrophe. Mit dem Bau einer Straße fängt alles an im Regenwald von Brasilien. Zuerst kommen die Holzfäller, die illegal Mahagonibäume und andere wertvollen Tropenbäume fällen.
Auf die Holzfäller folgen die Viehzüchter, die den Rest des Dschungels niederbrennen und Gras pflanzen. Zum Schluss kommen die Sojabarone, die das Land aufkaufen, dass eigentlich niemand besitzen dürfte. Für Wanderlei Antonio Pignati ist die BR 163 eine Straße des Irrsinns. Der Arzt kann stundenlang von Giften erzählen, die in großen Wolken über die Städte an der BR 163 ziehen. 200 Kilogramm chemischen Dünger und zehn Kilo Agrargifte benötigt ein Hektar Soja. Die Menschen, die neben den riesigen Sojaplantagen entlang der BR 163 leben, haben Allergien, Vergiftungen, Lungenerkrankungen und Krebs.
Ganz anders sieht das der Bürgermeister von Sorriso, Clomir Bedin. In keiner anderen Gemeinde in Brasilien wird mehr Soja produziert als hier. Er sagt, dass es in seiner Stadt keinen einzigen Bürger gäbe, der gegen den Ausbau der BR 163 bis hoch nach Santarém sei. Die Straße müsse geteert und verbreitert werden, durch den Regenwald bis zum Hafen. Stolz ist der Bürgermeister auf den größten Silo der Stadt, der eine Speicherkapazität von 270.000 Tonnen hat, womit man 4,5 Millionen Säcke mit Soja füllen kann.