Viele lateinamerikanische Präsidenten wollen länger regieren, als es die Verfassung des jeweiligen Landes eigentlich erlaubt. Normalerweise sind in Lateinamerika ein bis zwei Amtszeiten der Staatschefs vorgesehen. Diese Beschränkung ist der Erfahrung geschuldet und soll verhindern, dass aus Demokratien autoritäre Regime entstehen wie beispielsweise unter Juan Domingo Perón in Argentinien.

Doch viele Staatschefs in Lateinamerika wollen sich mit dieser, in ihren Augen zu kurzen Amtszeit, nicht abfinden. Hugo Chávez setzte in Venezuela seine erneute Wählbarkeit mit einem Referendum durch. Seinen Freunden Rafael Correa in Ecuador und Evo Morales in Bolivien gelang Ähnliches. Nur Manuel Zelaya scheitere in Honduras mit seinem Plan, sich vom Volk eine weitere Amtszeit genehmigen zu lassen. Er wurde vom Militär außer Landes gebracht.

Der Wille der Machterhaltung ist nicht nur bei linksgerichteten Politikern ausgeprägt. Derzeit lässt Kolumbiens rechtskonservativer Präsident Álvaro Uribe prüfen, ob er per Volksabstimmung die Verfassung nach seinem Willen ändern kann. Uribe hofft so, eine dritte Amtszeit erringen zu können. Begonnen mit dem Ändern von Verfassungen haben 1994 der argentinische Präsident, Carlos Menem, und 1997 der brasilianische Staatschef Fernando Henrique Cardoso. Ihr Ziel war der neoliberale Umbau von Argentinien und Brasilien.

Hugo Chávez begründet den Wunsch einer Verlängerung seiner Amtszeit mit der Errichtung des Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Venezuela und dafür brauche er mindestens bis zum Jahr 2020 Zeit. Uribes Ziel ist es, die Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) auszulöschen, die einst seinen Vater umbrachten. Für eine Verlängerung der Amtszeit lateinamerikanischer Präsidenten sprechen allerdings auch sachliche Argumente: sie wäre ein Mittel gegen die fehlende politische Kontinuität. Neue Präsidenten tauschen in der Regel den gesamten Verwaltungsapparat aus und besetzten die frei gewordenen Stellen mit ihren Anhängern.