Der Anbau von Wein hat in Chile eine lange Tradition. Schon in der Mitte des 16. Jahrhunderts brachten christliche Missionare Weinstöcke von den Kanarischen Inseln mit, weil sie daran glaubten, dass keine katholische Messe ohne das „Blut Christi“ gelesen werden könne. Sie erkannten schnell, dass die Böden und das Klima in Chile ideal für den Weinanbau waren. Die Produktion war so erfolgreich, dass die Kolonialmacht Spanien im 17. und 18. Jahrhundert den Anbau einschränken musste, um ihre eigenen Weine besser verkaufen zu können.
Nach der Unabhängigkeit von 1818 wurde der Weinanbau in Chile eine Domäne des Landadels. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts engagierten die Begründer der großen Weingüter Weinexperten aus Europa und experimentierten mit den verschiedensten Rebsorten. Zu den Pionieren zählten unter anderen Melchor Concha y Toro und Francisco Undurraga. Den Durchbruch auf dem Weltmarkt schafften die chilenischen Winzer allerdings erst in den achtziger Jahren des vergangen Jahrhunderts, als es ihnen gelang, qualitativ hochwertigen, aber dennoch nicht zu teuren Wein zu produzieren.
Die wichtigsten Rebsorten in Chile sind heute bei den Rotweinen die aromatische Cabernet-Sauvignon-Traube sowie die fruchtigere Traube des Merlot. Unter den Weisweinen dominieren vor allem der Sauvignon und der Chardonnay. Aber auch der Riesling, der im Süden von Chile angebaut wird, überzeugt immer mehr Weinliebhaber. Die Weinregionen des südamerikanischen Landes erstrecken sich vom heißen Aconcagua-Tal, das sich etwa 160 Kilometer nördlich von Santiago befindet bis nach Chillán, das 430 Kilometer südlich der Hauptstadt liegt. Die bekanntesten Weinlagen befinden sich im Valle Maipo, südöstlich von Santiago gelegen.
Die Winzer von Chile schwärmen von der trockenen Wärme des Landes. Durch das besondere Klima gibt es keine Weinschädlinge wie Reblaus und Blattgallmilbe, auch Rebpilze wie Mehltau oder Grauschimmel können sich nicht ausbreiten. Die Wetterlage ist meist so gut kalkulierbar, dass zwischen den Jahrgängen eines gut ausgebauten Weines kaum mehr ein Unterschied existiert. Verregnete Jahre oder Frostschäden, wie sie in Europa immer wieder auftreten können, existieren in Chile einfach nicht.