Der Tango ist die klassische Tanzmusik in Argentinien, ein Tanz mit der Leidenschaft, aber alles andere als heiter. Einer der größten Textdichter des Genres Enrique Santos Discépolo definierte den Tango wie folgt: „Ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“ Das trifft den Kern der Sache, denn die Themen des Tanzes sind Verzweiflung, Heimweh, Einsamkeit und Eifersucht. Daneben ist er auch eine stolze Selbstdarstellung des argentinischen Machos – erotisch, leidenschaftlich und überwältigend pathetisch.

Der Tango ist eng mit der Geschichte von Argentinien verknüpft: man sagt, er zeige den Charakter der südamerikanischen Nation in Reinkultur. Die Ursprünge des Tangos gehen auf die trostlosen Hafenslums von Buenos Aires des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts zurück. Die Kulturen der Welt trafen dort auf engstem Raum zusammen. Die Bars und Stundenhotels waren gut besucht. Aus der Milango der Gauchos, dem Flamenco aus Spanien, der kubanischen Habanera und der Tarantella aus Italien entstand die unverwechselbare Musik des Tangos. Die Musik wurde stets getragen von den schluchzenden Klängen des Bandoneons.

Den Tanz zur Tangomusik erfanden angeblich die Freier in der Warteschlage vor den Hafenbordellen. Unter den Proletariern Argentiniens wuchs seine Beliebtheit rasch an. Nur die oberen Zehntausend des Landes hielten sich von den anrüchigen Rhythmen und den erotischen Schrittfolgen des Tangos fern. Als der Tango von Argentinien nach Europa rüberschwappte, brach dort eine regelrechte Tangohysterie aus. Nachdem der Tanz in Europa salonfähig geworden war, verschloss sich ihm auch die argentinische Oberschicht nicht mehr.

Mit der Erfindung der Schallplatte war der Siegeszug des Tangos nicht mehr aufzuhalten. So zusagen über Nacht berühmt wurde der Sänger Carlos Gardel, nachdem er 1917 den Song „Mi Noche Triste“ aufgenommen hatte. Zur Legende stieg er auf, als er 1935 auf dem Gipfel seiner Karriere bei einem Flugzeugabsturz in Kolumbien ums Leben kam. In den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts versank der Tango in Argentinien in einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn erst die Komponist und Bandoneonkünstler Astor Piazzolla als „Tango Nuevo“ wieder erweckte.