Marina Silva hat die regierende Arbeiterpartei ihres Förderers, des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, verlassen, in der sie 30 Jahre lang Mitglied gewesen war. Vorausgegangen war die Verabschiedung eines jener Gesetze, die Marina Silva zornig machen. Die illegale Besetzung von Hunderttausenden Quadratkilometern Regenwald im Amazonasgebiet durch Siedler und Pflanzer wurde nachträglich legalisiert. Die Senatorin zeigte sich schockiert darüber, dass die Zerstörung des Dschungels auch noch belohnt werde.
Marina Silva ist nicht nur in Brasilien, sondern auch international eine anerkannte Beschützerin des Amazonas-Regenwalds. Sie will nun selbst Präsidentin von Brasilien werden und bestätigte, für die Grünen kandidieren zu wollen. Einst war sie die ökologische Hoffnung in der Regierung von Präsident Lula gewesen. Doch 2008 trat Marina Silva als Umweltministerin zurück, weil sie im Kampf gegen die Pläne des Wachstums und der Agrarlobby auf verlorenem Posten stand.
Arbeiterpräsident Lula hat nie verheimlicht, dass ihm die wirtschaftliche Entwicklung von Brasilien und die Armutsbekämpfung im Land wichtiger sind, als die Bewahrung des Regenwaldes, dessen Vernichtung rasch voranschreitet – mit allen negativen Folgen für das Weltklima. Marina Silvas Rücktritt 2008 verglich der Präsident mit dem Auszug eines Kindes aus dem Elternhaus.
Marina Silva, die 51-jährige Mutter vierer Kinder stammt aus dem Urwald des Amazonas-Staates Acre. Ihr Vater war ein armer Mann, der in den Kautschukplantagen schuftete. Lesen lernte Silva erst im Alter von 14 Jahren, ging aber schon zwei Jahre später in die Stadt, um zu studieren und wurde Mitkämpferin des Umweltaktivisten Chico Mendes, der 1988 von Großgrundbesitzern umgebracht wurde. Lula, der einen ähnlichen Lebensweg vorweist, holte Silva dann in die große Politik.