Naturschützer, die die Bedrohung schon lange erkannt hatten, sollten Recht behalten: im südamerikanischen Amazonasgebiet sollen bald riesige Plantagen mit Ölpalmen entstehen. Der brasilianische Senator Flexa Ribeiro preist den geplanten Anbau der Pflanzen: „Palmöl ist unser grünes Erdöl.“ Der Politiker setzt sich dafür ein, dass der Anbau der Ölpalme in Brasilien erleichtert wird. Aus den Früchten wird das Palmöl gewonnen, das sich zum Kochen eignet, Bestandteil von Kosmetika ist und sich sowohl als Kraftstoff als auch zur Stromerzeugung eignet.
Der Anbau der Ölpalme ist ein lukratives Geschäft. Eine Tonne Palmöl kostet derzeit etwa 320 Euro – in Hochzeiten waren es schon bis zu 700 Euro. Bislang dürfen Landbesitzer in Brasilien nur ein Drittel ihres Landbesitzes abholzen. Nun soll diese Fläche verdoppelt werden, wenn auf dem Land ausschließlich Ölpalmen oder Eukalyptusbäume angebaut werden. William Laurance vom Smithsonian Tropical Institute in Panama warnt vor dem Anbau von Monokulturen: „Palmöl-Plantagen sind ökologische Wüsten, in denen nur wenige Tiere überleben.“
Laurance ergänzt: „Ölpalmen speichern sehr viel weniger Kohlenstoff als intakter Regenwald.“ Die Umwandlung des Dschungels in Plantagen trage also zur Erderwärmung bei. Der Wissenschaftler schätzt, dass fast die Hälfte Amazoniens für den Anbau von Ölpalmen geeignet ist. Brasilien verfügt mit einer möglichen Anbaufläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern über die weitaus größten Landreserven für Palmöl-Plantagen.
Bisher spielt die Produktion von Palmöl in Brasilien noch keine sehr große Rolle. Die Jahresproduktion des südamerikanischen Landes liegt bei rund 190.000 Tonnen – in Indonesien sind es vergleichsweise 22 Millionen Tonnen. Neben Amazonien ist für Unternehmen, die im Palmölgeschäft tätig sind, auch der Choco sehr interessant. Der Choco ist ein extrem feuchter und artenreicher Regenwald, der sich entlang der Pazifikküste von Ecuador und Kolumbien entlang zieht. Inzwischen fördert Kolumbien schon den Anbau der Ölpflanze durch Steuererleichterungen. In Ecuador zählt die Ölpalme inzwischen zu den wichtigsten Gründen, den Regenwald abzuholzen.