Vor kurzem beschloss Mexiko, das Land in dem Banden um den lukrativen Rauschgiftmarkt kämpfen, geringe Mengen an Drogen für den persönlichen Gebrauch freizugeben. Der Besitz von zwei Gramm Opium, 0,5 Gramm Kokain, 50 Milligramm Heroin, 40 Milligramm Amphetamin sowie fünf Gramm Marihuana ist in Zukunft nicht mehr strafbar. Argentinien möchte nun auch die neue Drogenpolitik von Mexiko übernehmen.
Der oberste Gerichtshof von Buenos Aires entschied, das kleine Mengen Rauschgift und dessen privater Konsum von der argentinischen Verfassung gedeckt seien. Es kam zu dem Beschluss, nachdem fünf Jungendliche verhaftet worden waren, weil sie jeweils drei Marihuana-Zigaretten mit sich führten. Einer der Angeklagten sagte: „Ich rauche nur, ich bin kein Verbrecher.“ Jetzt dürfen in Argentinien auch Joints geraucht werden, ohne dass man befürchten muss, auf der Anklagebank zu landen. Der Proteste konservativer Kreise und der Kirche gegen das neue Gesetzt dürften wohl keine Erfolgsaussichten haben.
Die Entkriminalisierung von Menschen, die gelegentlich Rauschgift konsumieren, ist ein mutiger Versuch eines Gegenentwurfs zur Drogenpolitik in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo etwa 30 Prozent aller Gefängnisinsassen wegen geringfügiger Drogendelikte im Knast sitzen. Mexiko und Argentinien folgen nun dem holländischen Modell. In Holland darf Marihuana in Coffee Shops verkauft und geraucht werden. Die beiden lateinamerikanischen Staaten haben erkannt, dass die konsequente Verfolgung der Drogenuser nur die kriminellen Rauschgiftbanden stärkt. Das bedingungslose Verbot von Rauschgift hat den Drogenschmuggel zu einem der einträglichsten und erbarmungslosesten Schwarzmarktgeschäfte der Welt gemacht.
Ehemalige Präsidenten von Mexiko und Kolumbien stellten vor kurzem in einer viel beachteten Studie fest, dass die bisherige Strategie der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität durch die Polizei und die Armee gescheitert sei. Deshalb forderten sie eine neue Drogenpolitik. Die Freigabe von kleinsten Mengen an Rauschgift kann allerdings nur ein Anfang sein. Das Experiment muss von einer besseren Aufklärung, von Sozialarbeit und Programmen gegen die Armut begleitet sein.