Die ehemalige linke Terrorgruppe „Leuchtender Pfad“ ist heute als Drogengang in Peru aktiv. Dabei schien es, als wäre die maoistische Guerilla aus der Geschichte Perus verschwunden. In den achtziger und neunziger Jahren des vergangen Jahrhunderts hatten ihre Mörderbanden Peru terrorisiert. Ihr Anführer war damals der Professor für Philosophie Abimael Guzmán, den alle nur „Presidente Gonzalo“ nannten. Ihre Kommandozentrale war die Stadt Ayacucho in den Anden.

Im September 1992 wurde Guzmán verhaftet und in einem Gefängniskäfig ausgestellt. Danach streckten tausende Rebellen die Waffen und die Geschichte des „Leuchtenden Pfads“ schien zu Ende zu sein. Doch der „Leuchtende Pfad“ ist aktiver denn je, auch wenn er mit Marx, Mao und Lenin nichts mehr zu tun hat. Allein in diesem Jahr wurden von der Drogengang etwa 40 Soldaten getötet. Heute arbeiten die Erben von Guzmán in der Regel als Drogenhändler.

Peru ist der zeitgrößte Produzent von Kokain auf dem Weltmarkt, der Anbau der Kokapflanze nimmt noch immer zu. Wenn sich der Trend fortsetzt, könnten die Peruaner bald an Kolumbien vorbeiziehen, die immer noch den ersten Platz bei der Kokainherstellung einnehmen. Das Zentrum der peruanischen Kokainanbaus liegt in den Tälern des Alto Huallaga und der Flüsse Ene und Apurímac. Allein dort wächst auf 16.000 Hektar die Kokapflanze.

Inzwischen betreibt der „Leuchtende Pfad“ in Peru auch selbst Kokaplantagen. Laut Aussagen der Streitkräfte sind sie damit nur eine Drogenmafia mehr. Doch wer so denkt, macht es sich zu einfach. Einen Rückhalt in der Bevölkerung hat die Drogenmafia vor allem deshalb, weil sich die Regierung in Lima nach wie vor kaum um so abgelegene Gebiete kümmert. Vom wirtschaftlichen Aufschwung in Peru unter Alan García profitiert nur eine Minderheit wie Investoren und Börsianer. In den abgelegenen Regionen sucht man den Wohlstand vergeblich. Die Armut der Landbevölkerung war schon immer ein Treibmittel für den Aufstieg des „Leuchtenden Pfads“.