Argentinien war einst berühmt für sein Rindfleisch. Doch wegen der gesunkenen Preise auf dem Weltmarkt und einer katastrophalen Agrarpolitik können die Bauern in dem südamerikanischen Land inzwischen mit Sojaanbau mehr Geld verdienen als mit der Viehzucht. Das „beste Fleisch der Welt“ lohnt sich für das große Argentinien inzwischen so wenig, dass zuweilen sogar das kleine Uruguay mehr Rindfleisch ins Ausland exportiert.
Diese Tatsache ist kaum zu glauben, wenn man die Provinz Buenos Aires besucht, in der neben16 Millionen Menschen rund die doppelte Anzahl von Rindern leben. Einst machten die flachen, saftigen Weiden des Kernlandes der Republik am Rio de la Plata Argentinien zu einem der reichsten Länder der Erde. Doch mit der Viehzucht ist heute kaum noch Geld zu verdienen, wie der Viehzüchter Carlos Méndez bestätigt. Vor drei Jahren weideten auf seinen Wiesen noch doppelt so viele Rinder wie heute. Jetzt baut er lieber Soja, Mais und Weizen an – Produkte, die sich besser verkaufen lassen als Rindfleisch.
Für Carlos Méndez ist die Rinderzucht aber immer noch eine Lebensart, die er in der dritten Generation fortsetzen will. Sie ist für ihn die Fortsetzung der Geschichte Argentiniens. Aber der Agronom ist auch ein kühler Rechner. Mit einem Hektar Land, auf dem Soja wächst, lässt sich inzwischen drei bis zehn Mal so viel verdienen wie mit einem Hektar Wiese, auf dem Rinder grasen.
Zum Niedergang der Viehzucht wie der Landwirtschaft im Allgemeinen haben auch die Politik der Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner und die ihres Mannes und Vorgängers im Präsidentenamt wesentlich beigetragen. Die Präsidentin erhöhte die Ausfuhrsteuern für Getreide und tierische Produkte, um die Einnahmen für Staatsausgaben zu verwenden. Doch die Armut in Argentinien steigt dennoch wieder – und die Landwirte protestieren und streiken. Auch Carlos Méndez schimpft auf die Politik: „Die Agrarpolitik ist eine Attacke auf unsere Kultur.“