In Costa Rica kamen einige Polizisten aus dem Staunen kaum heraus, als sie im Juni 2009 fünf Spaziergänger auf einer Landstraße bei Puerto Limón kontrollierten. Nicht die Hautfarbe der Aufgegriffenen verblüffte die Ordnungshüter, denn Schwarze gibt es viele in der Karibik. Es war vielmehr die Tatsache, dass die fünf angaben, aus Afrika zu stammen. Sie gaben zu Protokoll, dass sie von Menschenhändlern aus Kolumbien nach Costa Rica gebracht worden seien. Sie waren die Vorboten einer größeren Wanderbewegung.
Inzwischen leben seit Wochen 41 Afrikaner in einer Flüchtlingsunterkunft in Costa Rica – vor kurzem kamen 54 Flüchtlinge dazu. Immer wieder landen Kinder, Frauen und Männer halbverhungert und fast verdurstet am Palmenstand. Die Küstenwachen aus Costa Rica, Guatemala und Nicaragua kennen inzwischen die Wege der Schmugglerboote aus Kolumbien. Doch neuerdings sind sie immer häufiger mit Menschen aus den verschiedensten Ländern Afrikas konfrontiert, die den schier unglaublichen Weg aus ihrer Heimat über Europa nach Lateinamerika auf sich nehmen, um ihrem hoffnungslosen Leben auf dem schwarzen Kontinent zu entkommen.
Die Einwanderungswelle nach Lateinamerika begann laut Mario Zamora, dem Direktor der Einwanderungsbehörde von Costa Rica, im Jahr 2008, als Europa sich immer stärker zu einer Festung ausbaute, an deren Grenzen die Flüchtlinge aus Afrika hängen blieben. Eine Gruppe Äthiopier zog sich damals splitternackt am Flughafen von San José aus, um mit ihrer Aktion dagegen zu protestieren, dass man ihnen die Einreise verweigert hatte. Seitdem versuchen viele Afrikaner über das Meer nach Lateinamerika zu gelangen.
Laut einem Bericht der costaricanischen Zeitung La Nación verlangen die Menschenschmuggler für die achttägige Überfahrt rund 7.000 Dollar. Nach Kolumbien reisen die Migranten mit falschen Pässen mit dem Flugzeug aus Spanien oder Italien an. Einige der in Costa Rica in Gewahrsam genommenen erzählten, die Schlepper hätten ihnen vorgetäuscht, sie seien in Kanada, ihrem eigentlichen Ziel. Der Leiter der Flüchtlingsunterkunft, Julio Aragón, sagte in einem Interview, dass fast alle Insassen sehr gebildet seien – Akademiker, Lehrer, ein Laborant und eine Anthropologin.