Im Salzsee von Uyuni in Bolivien, auf einer Höhe von 3.700 Metern, liegen die mit Abstand größten Lithium-Vorkommen der Welt. Das Leichtmetall wurde, bis vor nicht all zu langer Zeit, hauptsächlich in kleinen Mengen für Medikamente und die Rüstungsindustrie gefördert. Mit der Produktion moderner Notebooks, dem iPod und dem iPhone stieg die Nachfrage nach dem Rohstoff stark an, da die Geräte mit ausdauernden Lithium-Ionen-Batterien angetrieben werden.

Im kommenden Zeitalter der Elektrofahrzeuge wird das Verlangen nach Lithium wahrscheinlich geradezu explodieren, da diese Autos noch viel leistungsfähigere Akkus benötigen. Nicht umsonst interessieren sich plötzlich Weltfirmen für Bolivien, die dort das weiße Gold fördern wollen. Unter der weißen Oberfläche des größten Salzsees der Welt vermuten Geologen auf 10.000 Quadratkilometern mehr als die Hälfte der globalen Lithium-Reserven. Sie schätzen, dass etwa 5,4 Millionen Tonnen des Alkalimetalls in der Salzlake gebunden sind. An zweiter und dritter Stelle liegen die Lithium-Vorkommen in der Atacama-Wüste in Chile sowie in Tibet.

Der Berater Oscar Ballivián aus La Paz ist von dem erwarteten Lithium-Boom in Bolivien ganz begeistert: „Dies ist die Weltressource der Zukunft.“ Das südamerikanische Land könne das Saudi-Arabien des Alkalimetalls werden. Allerdings gibt es noch einige Probleme zu lösen, die einer industriellen Förderung des Rohstoffs im Wege stehen: es fehlen Straßen, es gibt zu wenig Strom und die Produktionsanlagen müssen erst noch gebaut werden. Wie seit Urzeiten bauen indianische Salzbauern das Salz, in dem das Lithium gebunden ist, mit den Händen ab.

Bolivien hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und die Rohstoffe des Landes durch ein Gesetz staatlicher Kontrolle unterstellt. Das weiße Gold soll dem südamerikanischen Land nicht genauso billig weggenommen werden, wie einst das Silber. In dem Dorf Rio Grande beginnt die Regierung von Evo Morales – Sozialist und erster indigener Staatschef der Region – mit einem Pilotprojekt, für sechs Millionen Dollar das Alkalimetall abzubauen.

In der nahen Zukunft sind allerdings milliardenschwere Großprojekte zur Lithium-Förderung in Bolivien geplant. Es wird mit internationalen Konzernen verhandelt. Wer fördern darf, muss dies jedoch unter staatlicher Kontrolle tun. Bolivien will lieber fertige Batterien verkaufen, als nur den Rohstoff ins Ausland liefern. Das würde wesentlich mehr Dollars in die klamme Staatskasse bringen.