Der Zusammenbruch der Monarchie in Spanien nach dem Einmarsch Napoleons in Madrid, zeigte den Menschen in Südamerika, die sich von den Fesseln der spanischen Kolonialverwaltung befreien wollten, dass die spanische Macht durchaus zu besiegen war. Bereits 1810 hatten sich in zahlreichen Gebieten des von den Spaniern besetzten Kontinents autonome Regierungen und Juntas gebildet. Als Spanien diese Bewegungen zu zerschlagen versuchte, kam es zum Ausbruch der eigentlichen Befreiungskriege.
Im Süden wurden die Aufständischen von General José de San Martín, einem gebürtigen Spanier, angeführt. Er erkämpfte den Abzug der Spanier aus Argentinien und führte seine Armee über die Anden, um den Chilenen in ihrem Kampf gegen die Besatzer beizustehen. Chile hatte 1811 seine Häfen neutralen Ländern geöffnet, obwohl ein spanisches Handelsmonopol bestand. Doch die Royalisten gewannen bald wieder die Oberhand und verbannten die chilenischen Rebellen ins benachbarte Argentinien.
Im Norden Südamerikas kämpfte Simón Bolívar für die Unabhängigkeit von Südamerika von den Spaniern. In seiner Heimat Venezuela vertrieb er die spanischen Loyalisten und ernannte sich zum Alleinherrscher. Sein Befreiungsfeldzug begann Erfolg versprechend, allein 1813 besiegte er die Königstreuen in sechs Schlachten. Doch nach der Niederlage Napoleons 1815 und der Restauration der spanischen Monarchie setzte ein erbitterter Kampf um die Kolonien in Südamerika ein. Bolívar musste nach Haiti und Jamaika fliehen.
Drei Jahre später führte Bolívar wieder eine Armee an, die aus Venezolanern und britischen Veteranen aus den napoleonischen Kriegen bestand. Die Schlacht bei Boyacá vom 17. August 1819 im Norden von Kolumbien besiegelte das Ende der Royalisten. Kurz darauf zog Bolívar als Triumphator in Santa Fé de Bogotá ein. Peru war die letzte und standhafteste Bastion Spaniens, da sich dort die Kolonialverwaltung der spanischen Eroberer befand. Von San Martíns und Bolívars Truppen in die Zange genommen, kapitulierten schließlich auch hier die Spanier. 1821 wurde die Unabhängigkeit Perus erklärt.
Die Jahre unmittelbar nach der Unabhängigkeit von den spanischen Besatzern gestalteten sich teilweise schwieriger als der Kampf selbst. Bolívars Traum war es, alle Staaten in einem „Gran Colombia“ vereint zu sehen. Doch binnen eines Jahrzehnts waren bereits Ecuador und Venezuela nicht mehr bereit, diesem Plan zu folgen. Der todkranke Bolívar sprach desillusioniert ein vernichtendes Urteil über den befreiten Kontinent: „Lateinamerika ist nicht regierbar. Wir Revolutionäre haben das Meer gepflügt.“