Brasilien hat einen neuen Volkshelden, ihren Präsidenten Lula da Silva, der die Olympischen Spiele 2016 nach Rio de Janeiro geholt hat. Als Jacques Rogge in Kopenhagen den letzten Umschlag öffnete und Rio de Janeiro zum Sieger erklärte sprang der Präsident von Brasilien von seinem Stuhl auf und umarmte die neben ihm sitzende Fußballlegende Pelé. Zur gleichen Zeit herrscht nur noch Karnevalstimmung am Strand der Copacabana, an dem sich etwa 50.000 Brasilianer versammelt hatten, um die Entscheidung über eine Großleinwand zu verfolgen.

Präsident Lula da Silva war von seine Glücksgefühlen überwältigt und richtete an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama, dessen langjähriger Wohnsitz Pittsburgh schon im ersten Wahlgang ausgeschieden war, folgende Worte: „Entschuldigung, dass wir glücklich sind.“ Der brasilianische Staatschef fand nur tröstliche und lobende Worte für seine unterlegenen Konkurrenten: „Für mich war es ein heiliger Tag. Wenn ich jetzt sterben müsste, dann hätte sich mein Leben schon gelohnt.“

Brasilianische Fernsehbilder gingen um die Welt, die immer wieder Szenen von Lula zeigten, der sein Gesicht hinter einem weißen Taschentuch verbarg, um seine Freudentränen zu trocknen. Für einen Brasilianer ist es unvorstellbar, so einen Sieg zu feiern, ohne ein paar Tränen zu vergießen. Im Moment des Sieges stieg Lula da Silva zum neuen Volkshelden von Brasilien auf. Denn der Präsident war die treibende Kraft bei der Bewerbung von Rio de Janeiro um die Olympischen Spiele im Jahr 2016 gewesen.

Trotz aller Siegeseuphorie, rechnen die Medien in Brasilien vor, was in den nächsten sieben Jahren geleistet werden muss, um die Versäumnisse der vergangenen 50 Jahre aufzuholen. Das Metronetz muss ausgebaut, die Zahl der Hotelbetten verdoppelt werden. Mehr als 30 neue Sportstätten müssen für die Olympischen Spiele 2016 errichtet werden. Die Lagunen und Buchten warten schon länger auf effiziente Reinigungstrupps. Zwei Dinge sind ist allerdings sicher – das Selbstwertgefühl der Brasilianer ist enorm gesteigert worden und die Weltöffentlichkeit wird in den nächsten Jahren verstärkt nach Südamerika blicken.