Der Film „Gigante“, der von einem Supermarkt in Uruguay erzählt, ist Rhythmus pur. Sein Takt setzt sich zusammen aus Schritten, Blicken, dem Spiel der Hände sowie aus dem Wechsel von Stille und Gespräch. Er folgt seinem Hauptdarsteller, der genau die passende Anzahl von Worten spricht – die Wichtigsten am Ende des Films. Der Film spiegelt nicht mehr und nicht weniger als den Rhythmus eines Lebens.
In dem uruguayischen Spielfilm spielt sich das Leben des Helden zum größten Teil vor den Überwachungsbildschirmen eines gigantischen Supermarktes ab. Jara sitzt hier jede Nacht, löst Rätsel und hört Heavy-Metal-Musik. Der Regisseur Adrián Biniez erzählt in „Gigante“ eine comédie humaine, in die eine zarte Liebesgeschichte eingesponnen ist. Jara unterscheidet sich von anderen Wachmännern, indem er nicht jeden Ladendiebstahl zur Anzeige bringt.
Jara ist nicht verheiratet, spielt in seiner Freizeit mit seinem Neffen Videospiele und sieht sich zum Einschlafen medizinische Fernsehsendungen an. Als Jara eine junge Putzfrau beim Wischen beobachtet, die dabei eine Pyramide von Klopapierrollen zum Einsturz bringt, verändert sich sein Leben – er verliebt sich in sie. Von diesem Zeitpunkt an verfolgt der Wachmann die Putzfrau nicht nur auf seinen Monitoren, sondern auch auf den Straßen der Stadt.
„Gigante“, der Film aus Uruguay über eine zarte Liebe und einen Supermarkt, könnte überall auf der Welt spielen und ist doch ein Unikat. Durch das unaufdringliche Spiel des schweigsamen und schwergewichtigen Hauptdarstellers wird der Spielfilm zu einer Studie des Alltags, in dem der Humanismus noch eine Chance bekommt. Für Jara ist Fürsorge ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Er hilft Kollegen vor drohenden Sanktionen des Chefs und schreitet ein, als in einer Bar zwei Unbekannte aufeinander eindreschen. Wie dieser Film eindringlich beweist, gibt es nicht nur in Uruguay, sondern in ganz Lateinamerika aufregendes und wunderbares Kino.