Mario Testino, einer der begehrtesten Modefotografen der Welt, hat gerade einen Bildband über Rio der Janeiro fertig gestellt, der am 12. Oktober 2009 im Taschen Verlag erscheint. Obwohl es über die Stadt an der Copacabana, Bücher wie Sand am Meer gibt, wollte Testino den Werken unbedingt noch eines hinzufügen, da Rio de Janeiro sehr viel für ihn bedeutet: „Kein anderer Ort besitzt diese Energie, höchstens noch Neapel. Rio ist die körperlichste Stadt, die ich kenne.“
Der aus Peru stammende Testino erwähnt, dass es in Rio immer heiß ist – im Sommer wie im Winter und dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als sich die Kleider vom Leib zu reißen. Der Fotograf war gerade 16 Jahre alt, als er zum ersten Mal mit seinen Eltern in Rio de Janeiro Urlaub machte. Seit 1973 verbringt Testino jedes Jahr einige Wochen in der brasilianischen Metropole. Damals war die Stadt der Mittelpunkt der High Society. Die Feste waren wild und mondän.
In Lima, seiner Heimatstadt, vermisste Testino die Freiheit und erzählt: „Peru ist ein sehr katholisches, konventionelles Land. Es gab eine Zeit, da wollte ich sogar Priester werden.“ Aufgewachsen ist der Starfotograf mit fünf Geschwistern. Er ging in einem englischsprachigen Gymnasium zur Schule und studierte später Wirtschaft und Jura. Testino erinnert sich, dass die Kinder in Peru dazu erzogen wurden und werden, sich an Normen anzupassen. Je mehr sie diese erfüllen, desto erfolgreicher werden sie.
Testino merkte allerdings ziemlich früh, dass er ganz anders dachte. Einer seiner Leitsätze lautet: „Das Leben ist dazu da, Zwänge loszuwerden, um Neues zu finden.“ Anfang der Neunzigerjahre entdeckte der Modefotograf Gisele Bündchen bei einem Casting in New York. Sie erinnerte ihn sofort an seine Jungend und an Rio de Janeiro – sie war echt herzlich und sprühte voller Leben. Und genau darum geht es bei Mario Testino bei jedem Foto: um jene Zehntausendstelsekunde, in der das magische Bild gelingt.