Das letzte und bedeutendste Kulturvolk des andinen Altiplano bildeten die Inka. Ihre Machtausdehnung ging von Cusco aus, das im heutigen Peru liegt. Das Volk der Inka entwickelte sich erst um 1400 nach Christus. Es herrschte damals Virachocha, schon zu Lebzeiten eine Mythenfigur. 1438 besiegte sein Sohn Yupanqui die Tiahuanaco am Titicacasee und sein Enkel Topa später die Chimú im Norden. Damit hatten die Inka innerhalb von nur zwei Generationen die beiden wichtigsten Reiche in den Anden erobert.
Später dehnten die Inka ihren Herrschaftsbereich nach Norden bis ins heutige Ecuador aus, wo Huayna Capac die Stadt Quito als zweites Herrschaftszentrum gründete. Schon im Jahr 1525 erstreckte sich das Reich der Inka über 4.000 Kilometer vom Zentrum Chiles bis in den Norden von Ecuador. Man nannte es Tawantinsuyu. Historiker schätzen, das im „Reich der vier Regionen“ sechs bis zwölf Millionen Menschen lebten, was einem Drittel der damaligen Einwohnerzahl Südamerikas entsprach.
An der Spitze der Hierarchie des Inkareichs stand der Inkakaiser, Sapay Inka genannt. Er leitete seine Herkunft vom Sonnengott Inti ab. Der Kaiser war mit seiner Schwester verheiratet, besaß aber nebenbei noch einen großen Harem. Der religiöse und administrative Verwaltungsapparat unter ihm war äußerst kompliziert aufgebaut. Für die Nachrichtenübermittlung stand ein 30.000 Kilometer langes Straßennetz zur Verfügung, von dem ein Großteil noch heute erhalten ist.
Im Abstand von drei Kilometer hatten die Inka Meldeläufer an den Straßen positioniert. Wurde ein Befehl erlassen setzte sich eine gigantische Läuferstafette in Marsch. Im Reich der Inka war Quechua die Amtssprache. Von einer Schrift der Inka ist nichts bekannt. Die Kultstätten in Machu Picchu und Cusco geben Zeugnis von der Meisterschaft der Inka in der Baukunst. Sie verwendeten für ihre Bauten schwere Granitblöcke, die sie so bearbeiteten, dass sie ohne Mörtel millimetergenau zusammenpassten.