Nach Valladolid, das im Osten der Halbinsel Yucatán in Mexiko liegt, kommen Gäste aus aller Welt. Die meisten Touristen, die hier herkommen, besuchen auch die Mayastätten wie Chichén Itzá oder Ek Balam. In Valladolid begegnen ihnen Gesichter, wie sie sie auf den Steinstatuen oder Bildreliefs der Mayas gesehen haben. Etwa drei Prozent der Bevölkerung Mexikos sind Mayas, wovon rund eine Million auf der Halbinsel Yucatán leben dürften.

Nikolai Grube, Altamerikanist an der Universität Bonn, gerät ins Schwärmen, wenn er von den Mayas erzählt, die für ihn die bedeutendste Zivilisation auf dem amerikanischen Kontinent repräsentieren. Besonders glücklich ist er darüber, dass die Archäologen nicht nur großartige Ruinen vorfinden, sondern ein Erbe der Mayas, das in Mexiko noch lebendig ist. In dem lateinamerikanischen Staat leben moderne Mayas, die noch viel vom Lebensstil der Menschen aus der vorspanischen Zeit bewahrt haben.

Es ist die grandiose Symbiose der heutigen vielfältigen mexikanischen Kultur mit den überwältigenden Tempelanlagen der Maya-Kultur, die einen Besuch in Mexiko so lohnend machen. Vor allem in den Morgenstunden liegt eine besondere Stimmung über den Tempelanlagen der Mayas. Besonders erstaunst sind die Besucher immer wieder über die grandiosen mathematischen und astronomischen Kenntnisse dieser Hochkultur. Die Pyramide von Uxmal gehört inzwischen sogar zum Weltkulturerbe. Wer dieses Denkmal in Mexiko besucht, bekommt eine Ahnung von den Ausmaßen der alten Städte.

Nikolai Grube glaubt, dass bis heute nur etwa 20 Prozent aller vorhandenen Mayastätten ausgegraben worden sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in der Blütezeit des Mayareichs zwischen fünf und 15 Millionen Menschen dort lebten. Die Nachkommen der Mayas leben auch heute noch an den alten Plätzen, am Golf von Mexiko, am karibischen Meer, oder im Landesinneren. Wer die Halbinsel Yucatán bereist, bewegt sich fast ausschließlich auf historischem Boden – egal ob er die Provinzhauptstadt Mérida, Tulúm, Cobá, Tikal oder Sayil besucht.