Im Jahr 1808 floh der portugiesische König Dom João mit seinem gesamten Hofstaat vor den Truppen Napoleons nach Brasilien, das er vorübergehend zum Vizekönigreich erhob, bis er 1821 nach Portugal zurückkehre und seinem Sohn Dom Pedro I. die Regierungsgeschäfte in Brasilien übertrug. Als dieser ein Jahr später nach Portugal zurückkehren sollte, wechselte er die Seiten, trat in die Reihen der Freiheitskämpfer ein und tauschte seine königlichen Insignien mit dem Ausruf „Unabhängigkeit oder Tod!“ gegen die neuen Nationalfarben Gelb und Grün ein.

Anfangs des 19. Jahrhunderts lebten in Brasilien etwa eine Million Menschen mit europäischen Wurzeln, rund zwei Millionen schwarze Sklaven sowie die einheimischen Indianer. 1847 übernahm Pedro II. die Macht in Brasilien und verbot drei Jahre später den Sklavenhandel, wobei die Sklavenarbeit de facto im Land weiter bestand. Denn in Brasilien bestimmten damals die Großgrundbesitzer des Nordens die Politik. Diese ließen auf ihren Plantagen die Sklaven schuften ohne sich um effektives Wirtschaften noch um sozialen Fortschritt zu kümmern.

Um ein Gegengewicht gegen die mächtigen Plantagenbesitzer im Norden von Brasilien zu schaffen, förderte Pedro II. ganz bewusst die europäische Besiedlung im Süden des südamerikanischen Landes. Die neuen Siedler ließen sich vorwiegend am Rio Grande do Sul nieder und formten São Paulo zum Wirtschaftskonkurrenten gegenüber Rio de Janeiro. Zwischen den beiden Machtgruppen im Norden und Süden des Landes kam es zunehmend zu politischen Spannungen, in deren Mittelpunkt die Frage nach dem Umgang mit der Sklaverei in Brasilien stand.

Im Jahr 1888 stimmte das Parlament für die Abschaffung der Sklaverei, als letztes Land der westlichen Hemisphäre. Der schon länger verdeckt andauernde Konflikt über die Sklavenfrage in der brasilianischen Gesellschaft brach nun offen aus. Ein Jahr später wurde Pedro II. gestürzt und eine konstitutionelle Republik gegründet. Allerdings war die neue parlamentarische Regierung schwach, so dass es der mächtigen Armee meist gelang, Probleme auf ihre Art zu lösen.