Ganz unspektakulär ist der Wendepunkt des Films „El baño del Papa“, der ihn auf seine schräge Bahn bringt. Die Szene zeigt einen Abend im Haus von Beto und seiner Familie. Die Mutter unterhält sich mit ihrer Tochter Silvia über deren beruflichen Chancen in Uruguay als Mädchen. Die Mutter fragt Silvia: „Warum willst du nicht Näherin werden?“ Das Mädchen antwortet zwar zögernd aber doch bestimmt: „Ich liebe Nähen. Aber ich will Radiosprecherin werden.“ Genau in diesem Augenblick betritt der Vater das Haus und sagt: „Ich werde ein Klo bauen.“
Die Familie von Beto lebt in Melo, einem kleinen Ort im Nordosten von Uruguay, an der Grenze zu Brasilien. Beto bestreitet den Lebensunterhalt für sich und die seinen durch Schmuggelfahrten. Täglich fährt er 60 Kilometer mit dem Fahrrad nach Aceguá und kauft dort alles ein, was seine Familie und der Lebensmittelhändler in Melo so brauchen. Auf der Rückfahrt müssen sich Beto und seine Schmugglerkollegen entscheiden, ob sie auf der Straße weiterfahren, die an der Zollstation vorbeiführt oder über die grüne Grenze ihr Glück versuchen.
Bei ihren illegalen Grenzübertritten zwischen Uruguay und Brasilien werden die Schmuggler immer wieder einmal von der mobilen Zollkontrolle geschnappt – der bestellte Schnaps wandert dann in die Taschen der Zöllner. Einer der beiden Regisseure, Enrique Fernández sagt über den Film: „Ich kenne die Menschen, von denen der Film erzählt, ganz genau. Die waren Teil meiner Jugend, in Melo.“ Wenn die Schmuggler durch die Landschaft radeln, dann ist das so spannend, wie wenn eine Horde Cowboys in einem Western durch die Prärie reiten würden.
Das Klo will Beto nicht für sich bauen, sondern damit den großen Reibach machen – denn der Papst Johannes Paul II. soll bei seinem Besuch in Uruguay auch nach Melo kommen und mit ihm Heerscharen von Gläubigen, die irgendwann auch einmal auf die Toilette gehen müssen. Der Traum von Beto ist so groß und phantastisch, dass die kleinen Träume des Alltags kaum mehr wahrgenommen werden. Wie der von Silvia, die in der Nacht für ihren Auftritt als Radiosprecherin übt: „Weil er krumm und hässlich ist, weil all seine Äste grau sind, habe ich Mitleid mit dem Feigenbaum…“.