Die mexikanische Regierung hat am Sonntag, den 11. Oktober 2009 völlig unerwartet den staatlichen Energiekonzern „Compañía de Luz y Fuerza del Centro“ geschlossen. Die 40.000 Angestellten waren damit von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Am Donnerstag der folgenden Woche demonstrierten 44.000 Mexikaner in Mexiko-Stadt gegen die Schließung des staatlichen Energieunternehmens.

Die Menschenmassen folgten dem Gewerkschaftsführer Martín Esparza, von der Elektrizitätsgewerkschaft SME beim Protestmarsch zum Hauptplatz Zócalo im historischen Zentrum von Mexiko-Stadt. Esparza verkündete auf der Kundgebung, dass man Luz y Fuerza bis zum Tode verteidigen werde. Der konservative Staatschef von Mexiko, Felipe Calderón, hatte das Unternehmen geschlossen, weil seiner Ansicht nach dort finanzielle und operative Ineffizienz bewiesen sei.

Laut Innenminister Fernando Gómez Mont habe die Regierung umgerechnet rund zwei Milliarden Euro allein im Jahr 2008 in den Energiekonzern gesteckt, was der doppelten Summe der Einnahmen entsprach. Die entlassenen Mitarbeiter sollen mit 33 Monatslöhnen abgefunden werden. 10.000 von ihnen sollen neue Jobs bei anderen Staatsunternehmen in Mexiko erhalten.

Die Gewerkschaft SME hegt den Verdacht, dass die Attacke gegen Luz y Fuerza ein weiterer Meilenstein zu schleichenden Privatisierung der Energieversorgung in Mexiko sei. Die linke Opposition betrachtet die Schließung des Energiekonzerns als Bruch der Verfassung und will gegen die Aktion der Regierung Klage einreichen. Auch der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Marcelo Ebrard kritisiert die mexikanische Regierung scharf. Die Massenentlassung sei für ihn eine Rückkehr ins 19. Jahrhundert und ethisch nicht zu verantworten.

Unterstützung für die Schließung des Energiekonzerns erhält Calderón von den Arbeitgebern in Mexiko. Deren Verbandsvorsitzender Ricardo Gonzales bezeichnet Luz y Fuerza als ein Fass ohne Boden, in das man nicht noch mehr Geld hineinschütten dürfe. Der Analyst Sabino Bastidas Colinas wird in seiner Kritik an dem defizitären Staatsunternehmen noch deutlicher: „Eine kafkaeske Firma, die an die schlimmsten Zeiten der sowjetischen Industrien oder der alten Unternehmen Osteuropas erinnert.“