Selbst in der Antarktis gelten deutsche Gesetze: Laut Umweltbundesamt müssen Polarforscher mindestens fünf Meter Abstand zu den Kaiserpinguinen halten. Das gilt auch für den Physiker Ulrich Männl, der Messdaten in der Antarktis sammelt und damit hilft, die Welt vor einer atomaren Eiszeit zu bewahren. Anfang September geht der arktische Winder langsam zu Ende und die Temperaturen klettern auf minus 20° Celsius.

Der Physiker Männl hat mit acht Kollegen in der Neumayer-Station-III überwintert, umgeben von einem Packeisgürtel, der bis zu 1.000 Kilometer breit ist. Die Polarstation ist 65 mal 24 Meter groß und verfügt über vier Stockwerke, in denen Labore, eine Lounge, eine Sauna und eine Fitnessstation untergebracht sind. Für Notfälle steht sogar ein Operationssaal zur Verfügung.

Männl sammelt zusammen mit einer finnischen Kollegin seismologische und magnetische Daten, um dadurch den inneren Aufbau der Erde besser verstehen und Erdbeben auf der ganzen Welt präziser vorhersagen zu können. Die Hauptaufgabe der Forscher besteht im so genannten „Erdbeben picken“, das heißt sie suchen nach seismischen Wellen und deren verschiedenen Phasen, die sich im Inneren der Erde und auf deren Oberfläche ausbreiten. Die Daten werden an internationale Datenzentren übermittelt.

Für ihre wissenschaftliche Arbeit müssen die Forscher auch alle zwei Tage hinaus in die klirrende Kälte, um zu einem Observatorium zu gelangen, das sich rund 1,7 Kilometer entfernt von der Forschungsstation befindet. Dort messen sie dann die Deklination und Inklination des Magnetfeldes der Erde. Auf ihren Fußmärschen stellen die Forscher immer wieder verblüfft fest, wie schnell sich in der Antarktis die Temperaturen ändern können. Sind es an einem Tag schon fast warme minus 5° Celsius, liegen sie wenige Tage später schon wieder bei eisigen minus 37° Celsius.

Auch in der andauernden Polarnacht herrscht in der Antarktis keine totale Finsternis. Die Dämmerung zieht sich über drei bis vier Stunden hin – sie ist die Zeit, in der es durch die indirekte Strahlung der Sonne noch richtig hell ist. An Tagen, an denen keine Wolken am Himmel zu sehen sind, sind am Himmel prächtige Farbenspiele zu beobachten. Das Firmament färbt sich von hellblau bis tiefrot.