Mitten in Kolumbien, etwa 200 Kilometer entfernt von Medellín, ist der Nachlass von Pablo Escobar ausgestellt, von dem Mann, der sich gerne als Drogenzar bezeichnen ließ und mit Kokain in der ganzen Welt dealte. Auf dem Tor der Hacienda Nápoles ist eine weiße Propellermaschine vom Typ Piper befestigt, mit der Escobar seine erste Lieferung Kokain in die Vereinigten Staaten von Amerika fliegen ließ. Der Drogenbaron kaufte das Landhaus Anfang der achtziger Jahre, als sich seine Drogengeschäfte immer besser entwickelten.
Damals hatte Pablo Escobar nicht nur viele Freunde in der Politik, sondern auch im Showbusiness und unter Fußballern und Journalisten, mit denen er gerne feierte. Seine Feinde ließ er umbringen. Für seine Nilpferde hatte Escobar 14 kleine Seen auf seinem riesigen Grundstück anlegen lassen. Außerdem kaufte er Giraffen, Zebras und Kamele, deren Exkremente die Nasen der Drogenspürhunde verwirren sollten.
Im vergangen Jahr reisten 50.000 Besucher zur Hacienda Nápoles, um sich die Reste von Escobars Residenz, seiner privaten Stierkampfarena, seinen kleinen Zoo sowie die verbrannte Oldtimer-Sammlung anzuschauen. Der Manager des Parks, Martínez betont, dass hier keine Heldenverehrung für einen Kriminellen stattfinde, sondern dass Pablo Escobar ein Teil der Geschichte Kolumbiens sei.
Mit dem Namen Pablo Escobar lässt sich in Kolumbien gutes Geld verdienen. Nicht nur in der Hacienda Nápoles, sondern auch in Medellín, die Stadt, nach dem das Drogenkartell von Escobar benannt worden war. Nicolás Solarzano unternimmt dort mit Touristen mit seinem kleinen Bus die so genannte „Pablo-Tour“. In Medellín ist der ehemalige Drogenboss so bekannt wie der Sänger Juanes oder der Bildhauer Botero, die ebenfalls aus der einstigen Welthauptstadt des Kokains stammten.
Den ersten Stopp auf seiner Tour legt der Touristenführer bei einem Gebäude ein, das Mónaco heißt. Das Hochhaus war eines der bunkerartigen Residenzen Pablo Escobars. 1992 gingen hier zwei Bomben hoch, die zwar die Autosammlung des Drogenhändlers zerstörten, aber dem Mauerwerk nichts anhaben konnten. Solarzana erzählt seinen Gästen, wie ein Provinzbandit zum siebreichsten Mann der Welt aufstieg und wie in manchen Gegenden von Kolumbien das Gespenst Pablo Escobars weiterlebt.