Der Präsident von Brasilien, Luiz Inácio Lula da Silva, sagte kürzlich in Rio de Janeiro: „Für manche sind die Olympischen Spiele nur eine Sportveranstaltung, für mich sind sie die endgültige Bestätigung der Bürgerrechte. 2016 will unser Land beweisen, dass hier in Brasilien Schwarze und Weiße, Arme und Reiche gleich behandelt werden.“ Mit einer Befriedungspolizei, die bislang in vier von gut tausend Favelas im Einsatz ist, hatte die Regierung von Brasilien bei der Bewerbung für die Olympischen Spiele geworben.

Der Sicherheitsminister von Rio de Janeiro, José Mariano Beltrame verspricht: „Der Drogenhandel geht, die Polizei bleibt – für immer.“ Die Favela Santa Marta betrachtet er als Versuchslabor. Hier kleben bunt bemalte Hütten am Hang, eine Zahnradbahn fährt Einheimische und Touristen gratis nach oben. Die Aussicht ist phantastisch – auf der linken Seite der Zuckerhut, auf der rechten Seite die Statue Christi auf dem Corcovado.

Seit die 120 Mitglieder der Befriedungspolizei ihren Dienst in Santa Marta angetreten haben, sind der Drogenhandel und die Gewalt in der Favela deutlich zurückgegangen. Im Februar kam sogar der Präsident von Brasilien Lula da Silva vorbei und verkündete: „Wenn man bloß die Polizei herholt, aber nicht Gesundheit, Schulen, Kultur und Arbeitsplätze, dann kommt die Gewalt wieder.“ An der prekären Wohnsituation der Einwohner von Santa Marta hat sich auch durch den Besuch des brasilianischen Präsidenten wenig geändert. 10.000 Menschen leben im oberen Teil immer noch überwiegend in verschachtelten Bretterbuden, deren Dächer aus Wellblech bestehen. Die Abwässer fließen in offenen Gräben den Hang hinab.

Nicht alle Menschen in Brasilien sind von der Befriedungspolizei begeistert. Zu den Kritikern zählt die Kriminologin Vera Malaguti. Sie sagt: „Es ist eine Besatzungspolitik mit autoritären Kontrollmaßnahmen, um die arme Bevölkerung in Schach zu halten. Jenes Kriegsparadigma, das soziale Konflikte mit strafrechtlichen Mitteln zu lösen versucht, hat Brasilien aus den USA importiert.“ Auch Itamar Silva, der sich seit den 80iger Jahren in Santa Marta engagiert ist mit der aktuellen Situation unzufrieden: „Die Befriedungspolizei ist alles andere als ein Patentrezept gegen die Gewalt. Das Problem ist viel komplexer. Geld und neues Kriegsgerät reichen nicht.“