In der Hauptstadt von Nicaragua, Managua, wehen überall die rot-schwarzen Fahnen der sandinistischen Regierungspartei FSLN. Auf manchen ist zu lesen: „Die Liebe besiegt den Tod.“ Riesige Plakate zeigen den Präsidenten Daniel Ortega. Auf höheren Gebäuden thront über ihm die Silhouette des Volkhelden Augusto Sandios, der längst zu einem Mythos in Nicaragua geworden ist. Vor dreißig Jahren beendeten Guerillos, deren Idol Sandino war, die Diktatur der Samozafamilie. Danach regierten sandinistische Revolutionäre in Nicaragua, die eine erfolgreiche Alphabetisierungskampagne starteten. Nachdem die Sandinisten 1990 die Wahlen verloren, zogen sie sich friedlich aus der Regierung zurück.
Wer als Tourist durch Nicaragua reist, dem begegnet auch außerhalb der Hauptstadt Managua immer wieder der Guerillaführer Augusto Sandino auf Statuen, Postern und Plakaten. Der Nationalheld Nicaraguas war 1927 ins Innere des Landes gezogen, um gegen die amerikanische Armee zu kämpfen, welche die wechselnden Diktaturen des lateinamerikanischen Landes unterstützten und beschützten.
Von Managua aus führt eine Straße im Osten am riesigen Managuasee auch an der Stadt Ciudad Darío vorbei, in der für den hier geborenen Nationaldichter Rubén Darío ein kleines Museum eingerichtet wurde. Von hier aus kann man weiter in den Norden von Nicaragua reisen, nach Esteli, der Zigarrenhochburg des Landes. Hier können die Besucher testen, ob eine Biozigarre tatsächlich besser schmeckt als eine in der Fabrik produzierte.
Noch weiter im Norden, an der Grenze zu Honduras, liegt die Stadt Ocotal, in der etwa 40.000 Menschen leben. 1927 fand hier ein Scharmützel statt, beim dem 600 amerikanische Soldaten ihr Leben ließen. Heute befindet sich im ehemaligen Sitz der US-Armee das Kulturamt von Ocotal. Die Straßen der Stadt verlaufen wie fast überall in Lateinamerika schachbrettartig um die Plaza, die Kirche und den idyllischen Stadtpark.
Im Westen von Ocotal liegt im Gebirge der Ort Quilali. Er ist der Ausgangspunkt zu einer Klettertour, die auf den El Chipote führt, einem Bergmassiv, von dem aus die Truppen Augusto Sandinos, feindliche Flugzeuge abgeschossen hatten. Der Weg führt an kleinen Farmen und Gehöften vorbei, auf deren Wiesen Kühe grasen und Bauernkinder spielen. Je höher man klettert, desto phantastischer wird der Panoramablick.
Wer nicht nur Schützengräben anschauen, sondern tiefer in die Geschichte Nicaraguas eindringen möchte, dem sei ein Besuch im kleinen Sandino-Museum in San Rafael del Norte empfohlen, das sich östlich von Esteli befindet. Hier befindet sich ein Zeitungsausschnitt aus der Kölnischen Illustrierten Zeitung von 1931, der Augusto Sandino mit seiner Frau Blanca zeigt, die er einst in diesem ehemaligen Telegrafenhaus kennen und lieben gelernt hatte.