Am 10. November 2009, kurz nach 22 Uhr Ortszeit, gingen in 18 Bundesstaaten in Brasilien für mehr als 60 Millionen Menschen die Lichter aus. Auch in den Großstädten São Paulo und Rio de Janeiro fiel der Strom bis zum frühen Morgen aus. Experten gehen davon aus, dass der Stromausfall von einem Unwetter mit Blitzschlag verursacht wurde, das die Hauptleitung vom Wasserkraftwerk Itaipu an der Grenze zu Paraguay beschädigte. Die Opposition lastet den gigantischen Stromausfall Präsident Lula an.

Davor wurde Luiz Inácio Lula da Silva eigentlich nur gefeiert, sein Höhenflug schien unaufhaltsam. Zuerst meldete der Präsident von Brasilien gewaltige Ölfunde vor der Küste, das südamerikanische Land bekam die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 zugesprochen. Brasilien geriet später in die Weltwirtschaftskrise als andere Länder und befreite sich früher davon. Im nächsten Jahr soll die brasilianische Wirtschaft schon wieder um fünf Prozent wachsen und bald zur fünftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufsteigen.

Jetzt allerdings traf der Strom-Blackout auch Präsident Lula und vor allem seine designierte Nachfolgerin Dilma Rousseff, die ihn am 1. Januar 2011 im Präsidentenamt beerben soll. Die 62 Jahre alte Ökonomin Rousseff ist die Kabinettschefin des Präsidenten und wird bei den Wahlen für die Arbeiterpartei PT antreten. Rousseff tut sich allerdings schwer im blendenden Image des beliebtesten brasilianischen Präsidenten aller Zeiten zu profitieren. In Brasilien waren viele Menschen überrascht, als Lula sie zur Präsidentschaftskandidatin ernannte.

Dagegen schätzen Politiker aus aller Welt Luiz Inácio Lula da Silva. Der britische Minister Peter Mandelson sagte kürzlich: „Das Brasilien von Heute ist das Brasilien Lulas“. Lula bezeichnet die Entwicklung in Brasilien als leise Revolution, in der das Land sein Selbstbewusstsein wiedergefunden habe. Acht von zehn Wählern lieben ihren Präsidenten. Seinen Kritikern, die ihn für den Stromausfall verantwortlich machen antwortet Lula: „Nur Gott kann das Land vor neuen Stromausfällen bewahren. Das Energiesystem ist trotzdem robust.“