Der gestürzte Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, hat einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Barack Obama geschrieben. Der ehemalige Staatschef mag nicht mehr in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa auf seine Wiedereinsetzung warten. In seinem Schreiben an Obama beklagt sich Zelaya, dass ihn die USA im Stich gelassen hätte. Deshalb verzichte er jetzt darauf, auf den Präsidentenstuhl zurückzukehren.

Manuel Zelaya sagte in einem Interview: „Ich bekräftige meine Entscheidung, ab sofort in keinem Fall ein Abkommen anzuerkennen, das mich an die Präsidentschaft zurückbringt und damit den Putsch legitimiert.“ Am 29. November 2009 sollten in Honduras Wahlen stattfinden. Manuel Zelaya betrachtet sie unter den aktuellen Bedingungen als illegitim. Ein Abkommen zwischen dem Putschistenführer Roberto Micheletti und dem Ex-Präsidenten sah vor, dass der Kongress von Honduras darüber abstimmen solle, ob der Putsch rückgängig gemacht und Zelaya wieder in sein Amt eingesetzt werden kann.

Der abgesetzte Präsident war sich sicher, eine Mehrheit unter den Abgeordneten für seine Sache gewinnen zu können. Doch das Präsidium des Parlaments hat bis heute nicht zu entscheidenden Plenarsitzung geladen. Vorher will der Kongress von Honduras die Rechtsmeinung des Obersten Gerichtshof und weiterer drei Institutionen hören. An dieser Taktik der Verzögerung scheiterte auch die für den 5. November vorgesehene Bildung einer Regierung der nationalen Einheit.

In einem Gespräch mit einem britischen Fernsehsender beschwerte sich Manuel Zelaya, dass ihn das Weiße Haus mitten im Fluss habe stehen lassen. Denn das Abkommen vom 30. Oktober sieht die Wiedereinsetzung des Expräsidenten nicht zwingend vor. Die Gegner des Putschistenregimes fordern jetzt eine Reform der Verfassung, die Manuel Zelaya vor seinem Sturz anstrebte. Außerdem haben die Anhänger Zelayas zu einem Wahlboykott aufgerufen. Die entscheidende Frage wird nun sein, ob die EU und die Organisation Amerikanischer Staaten die Präsidentschaftswahl in Honduras unter einem Putschistenregime anerkennen oder nicht.