Alte Flachdächer und verfallene Kolonialbauten prägen das Bild von Guantanamo. 300.000 Menschen leben in der Großstadt im Osten von Kuba. Wie in Havanna fahren hier auch noch viele rostige Limousinen aus den fünfziger Jahren herum. Nur 13 Kilometer entfernt liegt der amerikanische Stützpunkt und Gefangenenlager Guantanamo Bay. 1903 verpachtete der damalige Präsident von Kuba, Tomas Estrada Palma, die Bucht als Freundschaftsdienst an die USA, die Kuba im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien geholfen hatten.
Die ganze Stadt Guantanamo ist von einer nostalgischen Patina überzogen. Touristen, die in die Stadt kommen, fühlen sich um Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt. Yasel, ein örtlicher Rapper trifft sich abends mit Freunden im zentralen Parque José Martí und erzählt: „Wir sind über alle Nachrichten, die uns Reisende bringen, froh, weil daheim die Welt nur bis zur abendlichen Telenovela reicht.“ Die Jugendlichen von Guantanamo träumen von der weiten Welt, die ihnen versperrt ist. Viele von ihnen wollen nach Havanna umziehen, weil sie dort wenigstens etwas auf dem Schwarzmarkt verdienen können.
Eine der touristischen Hauptattraktionen der Stadt ist der Changüí, eine Art traditioneller Rap, der auf Kuba nur in Guantanamo und den umliegenden Dörfern gespielt wird. Der Musikstil zeichnet sich durch seinen melodischen, oft improvisierten Sprechgesang aus. Es gibt in Guantanamo eigens ein Konzerthaus, das Casa de Changüí, für diese spezielle Volksmusik. Besucher der Insel, die den Changüí hören wollen, müssen ihm entgegenfahren. In Yateras, einem kleine Dorf im Osten von Guantanamo lebt sogar ein Großmeister des Changüí, der sich El Guajiro nennt.
Zu den typischen Instrumenten einer Changüí-Band in Kuba zählen das Tres, die Gitarre, Maracas und eine Cajon genannte Holzbox, die den Bass liefert. El Guajiro erklärt warum diese Art der Weltmusik noch nicht viele Menschen kennen: „Der Changüí gilt immer noch als Dorfmusik, darum braucht es eine Zeit, bis er in die Städte vordringt.“ Der Rapper Yasel aus Guantanamo hofft, dass sich dies bald ändern wird: „Die Stadt will vom nächsten Jahr an ein Changüí-Festival abhalten und auch westliche Bands dazu einladen.“