Der Präsident von Brasilien, Lula da Silva, gab beim Welternährungsgipfel in Rom der Presse Interviews, in denen er unter anderem über den Aufstieg seines Landes, die Konkurrenz zu China und wirksamen Klimaschutz sprach. Der Staatschef ist davon überzeugt, dass Brasilien schon lange ein größeres Gewicht in der Welt verdient, doch in der Vergangenheit viele Gelegenheiten vertan hat. Heute dagegen ist die brasilianische Wirtschaft stark und die Weltwirtschaftskrise konnte ihr nicht viel anhaben. Inzwischen vergibt Brasilien sogar Entwicklungshilfe an bedürftige Staaten.

Wenn China von den internationalen Medien als Wirtschaftswunderland und Brasilien als unter „Sonstiges“ eingereiht wird, protestiert Lula da Silva und pocht darauf, dass in China ganz andere Bedingungen herrschen, weil die Zentralregierung dort das Machtmonopol besitzt. Der Arbeiter-Präsident betont, dass Brasilien im Gegensatz zu China ein land der freien Presse, der freien Gewerkschaften und der Demokratie ist. Der Kongress kann den Gesetzen, die die Regierung vorschlägt, zustimmen oder sie ablehnen. So kann es bis zu einem Jahr dauern, ehe ein neues Gesetz in Kraft tritt.

Präsident Lula da Silva ist davon überzeugt, dass der Erfolg Brasiliens viel damit zu tun hat, dass die Handelsbeziehungen seines Landes viel weiter verzeigt sind als vorher. Brasilien ist Handelspartner der USA und Europa, aber auch von Südamerika, Zentralamerika, Afrika, Arabien und Asien. Das gibt der aufstrebenden Nation Stabilität. Noch vor einem Jahrzehnt exportierte Brasilien 30 Prozent seiner Waren in die USA, heute sind es 13 Prozent. Also waren die Schäden durch die Weltwirtschaftskrise viel geringer.

Auf die Frage, ob Brasilien wie China in Afrika eine strategische Rohstoffsicherung anstrebe, antwortet Lula da Silva: „Nein, wir wollen keine Hegemonialmacht sein. Wir wollen Afrika nicht ausrauben. Wir wollen Rohstoffe kaufen, aber wir müssen auch den Transformationsprozess anstoßen, der Afrika reicher macht und Jobs schafft.“ Deswegen will Brasilien auch die Doha-Verhandlungen für einen freieren Welthandel zu einem Abschluss bringen, damit es künftig einen größeren Markt für afrikanische Produkte gibt.