Am 6. Dezember 2009 finden in Bolivien Präsidentschaftswahlen statt, bei dem der Anden-Sozialismus des Präsidenten Evo Morales auf dem Prüfstand steht. Alle Umfragen deuten auf einen deutlichen Sieg des Amtsinhabers hin, da die Opposition der Konservativen zersplittert ist und die traditionellen Parteien des Landes fast in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Evo Morales und sein buntes Machtbündnis „Bewegung zum Sozialismus“ (MAS) hat bei den Wahlen von seinen Gegnern wenig zu befürchten.

Wer vom Flughafen zum Regierungssitz La Paz fährt, muss durch El Alto hindurch. In der Millionenstadt gehören die meisten Einwohner den mehr als 30 indigenen Völkern, die in Bolivien leben, an. Der Soziologe Pablo Laguna erklärt, dass sie früher nicht viel gesellschaftlichen Einfluss hatten, aber jetzt die politische Macht besitzen. Die von Mythen geprägte Weltanschauung der indigenen Bevölkerung des Landes ist in die Verfassung aufgenommen worden. Die Beamten in Bolivien müssen jetzt Aymara, Quechua und Guaraní sprechen lernen.

Die Wähler in Bolivien teilen sich in Arme und Reiche auf. Der Favorit der Armen, die etwa 60 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist Evo Morales. Dass der Präsident mit seiner unberechenbaren Wirtschaftspolitik die Intellektuellen verärgert hat, wird seinen Wahlsieg nicht gefährden. Von der Ökonomin Irina Chambi, die ihn 2005 gewählt hat, wird er diesmal allerdings keine Stimme mehr bekommen. Die Repräsentantin der Außenhandelskammer von La Paz verweist auf die schlechten Wirtschaftsdaten von Bolivien.

Chambi beklagt, dass das Exportvolumen des Landes seit 2008 um 1,4 Milliarden Dollar gesunken sei. Die Gaslieferungen nach Argentinien und Brasilien gingen ebenfalls stark zurück. Seit die Regierung von Bolivien die Förderstätten zum Teil verstaatlicht habe, werde kaum noch in die Unternehmen investiert. Hoch rechnet die Wirtschaftswissenschaftlerin Evo Morales allerdings an, dass er Bolivien demokratisiert habe und sich die Währung des Landes in einem stabilen Zustand befinde.

In der Wirtschaftspolitik Boliviens setzt Evo Morales ganz auf den Staat als Wirtschaftsmotor. Mit den Einnahmen aus den teilverstaatlichten Bodenschätzen, konnte die Regierung Sozialstandards einführen, wie sie es in Bolivien noch nie zuvor gegeben hatte: Ansätze eines Sozialstaates mit Rente und Kindergeld. Für Mütter und ältere Menschen ist Evo Morales ihr Superstar, der ihr Überleben sichere.