Der Name Valparaíso (Paradiestal) will nicht so recht zur herben Ausstrahlung der Hafenstadt passen, die im Westen von Santiago de Chile fast an die Hauptstadt angrenzt. Wie Vogelnester kleben die Holzhäuser übereinander an der Steilküste. Fast 40 Hügel, die bis zu 400 Meter hoch sind, säumen den Hafen und den El Plan genannten Küstenstreifen und geben der Stadt, in der rund 280.000 Menschen leben, das Aussehen eines Amphitheaters.

Touristen, die sich den Hafen von einem der zahlreichen Hügel besichtigen wollen, können entweder über unzählige Stufen emporstiegen oder einen der alten Schrägaufzüge benutzen. Die UNESCO hat den alten Stadtkern von Valparaíso mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert im Juli 2003 zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. In Chile gilt Valparaíso als die heimliche Kulturhauptstadt des südamerikanischen Landes.

Mitte des 16. Jahrhunderts besiedelten schon zahlreiche Kolonisten die umliegenden Hügel. Pedro de Valdivia war es, der 1542 dort einen Hafen gründete. Nachdem Chile seine Unabhängigkeit erlangt hatte, öffnete sich das Land am Anfang des 19. Jahrhunderts dem Welthandel. Der Hafen von Valparaíso profitierte enorm von dieser Entwicklung, da er zum Anlaufpunkt auf der Schifffahrtsroute vom Atlantik über Kap Hoorn zum Pazifik wurde. Dadurch kamen Menschen aus allen Nationen in die Hafenstadt.

Vor allem deutsche Handelhäuser waren einst in Valparaíso sehr dominant. Ein schönes Beispiel ist das neoklassizistische Gebäude des Club Alemán, der 1838 gegründet wurde und damit als der älteste deutsche Verein nicht nur in Chile, sondern in ganz Südamerika gilt. Seit 1990 ist Valparaíso der Sitz des chilenischen Kongresses. Die Militärjunta errichtete den Parlamentsneubau an der Plaza O´Higgins.

Die schönste Aussicht auf Valparaíso bietet sich den Besuchern, wen sie mit einem der Schrägaufzüge in die Oberstadt fahren. Berühmt ist der Ascensor Artillería, der schon über 100 Jahre alt ist. Die Strecke, die er zurücklegt, hat eine Neigung von 30 Grad, ist 175 Meter lang und überwindet einen Höhenunterschied von 80 Metern. 14 weitere Schrägaufzüge sorgen für den reibungslosen Transport der Einheimischen und Touristen zwischen Unter- und Oberstadt.