Heute finden in Honduras tatsächlich Wahlen statt – nach Ausnahmezustand, Verhaftungswellen und Ausgangssperren. Der Anführer der Putschisten Roberto Micheletti zieht den Wahltermin durch, da ihn niemand daran hindert. Der Favorit bei der Präsidentenwahl in dem lateinamerikanischen Land ist der rechtskonservative Großgrundbesitzer Porfirio Lobo, einer der reichsten Männer der armen Republik.

Vor vier Jahren verlor der Kandidat der Nationalen Partei knapp gegen Manuel Zelaya, der sich nach seinem Wahlerfolg zur Bestürzung der Elite von Honduras dem linken politischen Lager von Hugo Chávez anschloss, der in Venezuela regiert. Wenn Porfirio Lobo diesmal gewinnt, wären die von der Oberschicht ersehnten Machtverhältnisse wieder hergestellt. Sein Gegner aus der zerrissenen Liberalen Partei ist der Bauunternehmer Elvin Santos, der ebenfalls die herrschende Schicht von Honduras vertritt.

Roberto Micheletti verspricht ruhige Wahlen, die die politische Krise lösen werden. Kenner von Honduras gehen allerdings davon aus, dass davon keine Rede sein kann. Manuel Zelaya betrachtet die Wahlen vom heutigen Sonntag und das Ergebnis als reine Farce. Seine Widerstandsfront ruft zum Wahlboykott auf. Inzwischen haben mehr als 100 Kandidaten ihre Bewerbung um ein politisches Amt zurückgezogen. Manuel Zelaya schimpft: „Der Urnengang ist eine juristische Verirrung, eine Veralberung, Betrug am Volk. Auch die internationale Staatengemeinschaft solle die Wahl ablehnen.

Inzwischen kann sich der gestürzte Staatschef von Honduras aber nicht einmal mehr auf die Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika verlassen. Die USA ließen die Putschisten gewähren. Barack Obamas neuer Beauftragter für Lateinamerika Arturo Valenzuela findet, dass die Wahlen in Honduras im Einklang mit der Verfassung stünden. Der Verlauf der Wahl werde jedoch umfassend geprüft. Zelaya ärgert sich über eine solche Einstellung: „Die USA spalten die amerikanischen Staaten und schaffen einen gefährlichen Präzedenzfall.“ Die Vereinigten Staaten von Amerika wollen, dass diese Wahlen ein politischer Neuanfang im Dauerchaos von Honduras sind und ganz Lateinamerika das genau so sieht.