Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat Dilma Rousseff als seine Nachfolgerin im Präsidentenamt auserkoren. Obwohl sie in der unmittelbaren Nähe des Präsidenten arbeitet, kennt sie kaum einer ihrer Landsleute. Und diejenigen, die mit ihr zu tun hatten, beklagten sich über ihre aufbrausende und herrische Art. Manche bezeichneten sie sogar als Biest. Doch seit der Präsidentschaftsnominierung hat sich die Politikerin in wenigen Monaten völlig verwandelt.

Nachdem Dilma Rousseff einige Zeit von der öffentlichen Bühne verschwunden war, kehrte sie auf das politische Parkett derart gestylt zurück, dass die Menschen Mühe hatten, sie wiederzuerkennen. Einige Schönheitsoperationen sollten ihr jungendliches Aussehen verschaffen. Da Dilma Rousseff Brasilien kaum kannte, begann Lula sie immer häufiger zu Terminen mitzunehmen und als Präsidentschaftskandidatin zu präsentieren.

Doch der Karrieresprung an die Spitze von Brasilien schien zu scheitern, als Dilma an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Doch die Politikerin trotzte mit Disziplin und Entschlossenheit der Krankheit – Tugenden, die ihr Mentor Lula besonders an Dilma Rousseff schätzt. Der Präsident hielt auch während der schweren Krankheit zu seiner Kandidatin. Im September 2009 erklärten die Ärzte Dilma für geheilt.

Seit ihrer Heilung zeigt sich Dilma Rousseff religiös geläutert und besuchte Gottesdienste der evangelikalen Kirchen und dankte öffentlich Gott für die Genesung. Früher vertrat die ehemalige Guerillakämpferin eher die These von Karl Marx, dass Religion Opium für das Volk sei. Dilma Rousseff vertraut ihren Beratern und versucht Sympathie auszustrahlen, indem sie modernere Kleidung trägt und natürlicher spricht. Jetzt muss sie nur noch Lulas Arbeiterpartei PT als offizielle Kandidatin nominieren.

Lula da Silva hat Dilma Rousseff systematisch Schritt für Schritt in der politischen Hierarchie von Brasilien nach oben befördert. Zunächst ernannte er sie zur Energieministerin, da sie auf diesem Gebiet fachlich sehr beschlagen ist. Inzwischen ist Dilma zu seiner reichten Hand und Präsidentschaftsministerin aufgestiegen. In einem Radiointerview sprach Lula seiner potentiellen Nachfolgerin Mut zu: „Sie hat eine enorme Perspektive zu siegen“, und stellte sie nun auch ganz formell als seine Kandidatin vor.