Weil Argentinien das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse im kommenden Jahr ist, reiste eine Gruppe deutschsprachiger Autoren in das südamerikanische Land, um zu ihren dortigen Kollegen Kontakte zu knüpfen. Zur Reisegruppe gehörten die Deutschen Nora Bossong, Marcel Beyer, Sherko Fatah, Ulrich Peltzer und der Schweizer Rolf Lappert. Es ist auch höchste Zeit sich kennen zu lernen. Denn die Zeiten der lateinamerikanischen literarischen Hochblüte, in der Argentinien fast schon einen mythischen Status besaß, liegen weit in der Vergangenheit. Vieles wurde von der Militärdiktatur zerstört, Wirtschaftskrisen und Aufkäufe haben aus dem einstigen Zentrum der Verlage, Buenos Aires, einen Nebenschauplatz internationaler Konzerne gemacht.

Um die weißen Flecken in der gegenseitigen Wahrnehmung zu tilgen sind Förderprojekte angestoßen worden, die Übersetzungen ermöglichen sollen. Litrix.de, ein Projekt des Goethe-Instituts, hat für die Jahre 2009 und 2010 ein zusätzliches Sonderprogramm für hispano-amerikanische Verlage aufgelegt. Litprom, die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, die vom Auswärtigen Amt und der Pro Helvetia finanziert wird, bringt schon seit Jahren argentinische Titel auf den deutschen Buchmarkt.

Anlässlich des Auftritts Argentiniens als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2010 hat die Regierung des Landes, das inzwischen ausgeschöpfte Förderprogramm „Sur“ aufgelegt, wodurch die Übersetzung von 100 argentinischen Buchtiteln ermöglicht wurde. Der Gastlandauftritt wirkt sich äußerst belebende auf die argentinische Autoren- und Verlagsszene aus. Vor allem in Gesprächen mit jüngeren Autoren hatten die deutschen Gäste den Eindruck, dass die argentinische Literatur gerade dabei sei, sich neu zu erfinden. So berichtete beispielsweise Samanta Schweblin, dass ihr Erzählband „Pájaros en la boca“, der von poetischer Phantastik geprägt ist, im nächsten Jahr im Verlag Suhrkamp erscheinen wird.

Aber nicht nur junge Literaten aus Argentinien werden auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. Bei der nationalen Repräsentation in der Mainmetropole greift Argentinien auf Heldengestalten wie Evita Perón, Carlos Gardel, Jorge Luis Borges und Julio Cortázar zurück. Martín Fierro, der Held des argentinischen Nationalepos, wird sicherlich in Frankfurt auch nicht fehlen.