Im Überschwemmungswald Mamirauá, der fast 600 Kilometer von Manaus, der Hauptstadt des nordbrasilianischen Bundesstaats Amazonas entfernt liegt, haben die Einwohner ihre Häuser schon immer auf Pfähle gebaut. In der Regenzeit steigt der Fluss, an dessen Ufer die Menschen leben, bis zwölf Meter hoch an. Die Häuser werden dann zu kleinen Inseln. Es kommen in letzter Zeit immer mehr Touristen in die Dörfer von Mamirauá. Die Orte heißen Caborini, Vila Alencar oder Boca do Mamirauá. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt, aus Paris, Washington, Berlin oder Oslo.

Fließendes Wasser aus der Leitung gibt es in diesem abgelegenen Gebiet von Brasilien bis heute nicht. Auch ein Restaurant, einen Supermarkt oder eine Kneipe suchen die Touristen hier vergebens. In den Dörfern von Mamirauá leben etwa 2.300 Einwohner, die sich nahezu alle selbst versorgen. Dennoch kommen immer mehr fremde Gäste, die es genießen, keinen Autolärm zu hören und saubre Luft atmen zu können. Viele sehen in ihrem Leben zum ersten Mal eine unberührte Natur, freuen sich über frisches Gemüse und frischen Fisch aus dem Fluss.

In jedem der Dörfer gibt es Fremdenführer, die sich um die Besucher kümmern. Der Pionier, der den Ökotourismus in dieser Region ins Rollen gebracht hat, heißt Márcio Ayres. Der Biologe kam in den 1980iger Jahren in den Überschwemmungswald von Mamirauá, um die weißen Uakari-Affen mit dem leuchtenden roten Gesicht zu erforschen. Er beantragte bei der Regierung von Amazonien Mamirauá als Naturschutzgebiet auszuweisen. Zwar bewilligte der Gouverneur 1,2 Millionen Hektar, doch in dem Schutzgebiet sollten keine Menschen leben.

Daraufhin gründete Ayres die Organisation „Cociedade Civil Mamirauá“, um einen nachhaltigen Plan für die Entwicklung des Gebietes, inklusive all seiner Menschen auszuarbeiten. 1996 war es dann so weit – Mamirauá wurde das erste Schutzgebiet für nachhaltige Entwicklung in Brasilien. Um den Dorfbewohnern eine weitere Einnahmequelle zu eröffnen, schufen Ayres und seine Mitkämpfer einen kontrollierten, sanften Tourismus in Mamirauá. Heute sind von den rund 120 Familien, die im Zentrum von Mamirauá leben, etwa 60 Prozent im Tourismus beschäftigt.