Putschisten, Populisten und Oligarchen – gerade Honduras offenbart die Probleme vieler Staaten in Lateinamerika. Politische Beobachter aus den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa fragen sich immer wieder, was passieren muss, damit sie ihre vordemokratischen Wurzeln endlich überwinden. Um darauf eine Antwort zu finden ist es hilfreich die Rolle der politischen Parteien in den lateinamerikanischen Ländern genauer zu betrachten.

Politische Parteien waren in Lateinamerika, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie Programmparteien, die aufgeklärten Bürgern ein Forum bieten, um sich zu organisieren und politische Ziele und neue Gesellschaftsordnungen zu verwirklichen. Parteien waren und sind in Lateinamerika Interessengruppierungen, die meist von wenigen reichen Familien dominiert werden. Sie wurden oft mit dem Ziel gegründet, die Regierungsmacht zu übernehmen, aber nicht zum Vorteil des Volkes, sondern des eigenen.

In Lateinamerika werden Präsidenten nicht gewählt, weil ihre Partei oder ihr Programm die Wählerschaft überzeugen. Sie werden Regierungschefs, weil das Volk Gaben von ihnen erwartet. In der Regel sind das Brot und Arbeit. Am liebsten würde fast jeder der Wähler einen Staatsjob ergattern. In vielen lateinamerikanischen Ländern werden nach einem Wechsel der Regierung nicht nur die Spitzenbeamten ausgewechselt, sondern die gesamte öffentliche Verwaltung bis hinunter zum Hausmeister.

Nicht einmal die aus den Guerilla-Bewegungen entstandenen linken Parteien haben es geschafft, zu einigermaßen demokratisch geführten Programmparteien zu werden. Die kommunistische Partei in Kuba war nie mehr als ein Ein-Mann-Betrieb ihres charismatischen Führers. Die sandinistische Befreiungsfront in Nicaragua befindet sich in der festen Hand der Ortegas. Und die FMLN in El Salvador ist zwar an der Macht, aber dann doch wieder nicht. Mauricio Funes, der die Partei zum politischen Aufstiege ins Präsidentenamt benutzte, regiert nun, wie er will.

Um die Demokratiedefizite zu überwinden, müssen in Lateinamerika neue Parteien entstehen, die ihre Wurzeln am besten in sozialen Bewegungen haben. Das schließt charismatische Führer nicht von vornherein aus. Ein gutes Beispiel dafür ist der brasilianische Präsident Lula da Silva und sein Arbeiterpartei, die aus der Gewerkschaftsbewegung heraus entstand. Lula steht für ein Programm – die Armen dürfen keinen Hunger leiden und mit dem kapitalistischen System darf nicht gebrochen werden. Das hört sich nicht sehr revolutionär an, hat aber viele Menschen aus ihrem Elend befreit.